Heft 
(1892) 71
Seite
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Literarische Notizen.

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Eine solche Stoffvertheilung bringt freilich manche Unebenheiten in der Bearbeitung mit sich, verbürgt aber auch eine größere Zuverlässig­keit der Angaben und eine vertieftere Auffassung des Einzelnen. Daß für Ausstellungen und Verbesserungen bei einer so gewaltigen Stoff- mafse immer noch Raum bleibt, versteht sich von selbst; den Literaturangaben wäre manch­mal etwas anzufügen (so z. B. I 440 die Ab­handlung Rohden's überden Sturz Heinrich'sVII., die zur Präcisirung des Probleins doch Manches beigetragen hat); der geistliche Vorbehalt ist II, 82 im Haupttext nicht genannt, wogegen er II 9 auftaucht. Die Behauptung, daß er nur von einer Partei angenommen worden fei, ist in dieser Form mindestens sehr fragwürdig. Aber das sind schließlich doch nur Nebensachen. In der Hauptsache haben Gebhardt und seine Mitarbeiter ihr Ziel in lobenswerthester Weise erreicht, und wir hoffen, daß alle Freunde unserer Geschichte, namentlich auch Studirende, das Buch mit reichem Nutzen gebrauchen werden.

il. IÜ8inai<;Ir eu Oariea1are8. <)ii8p1, Ll8niui <;k «11a IHpIo-XIIiantrk oa Oaii- vatur68. IMr üoiin (Iran ä-0 arte rot. karis, 1'errin L Oie. Ob. OolaAravo. 1891.

John Grand-Carteret hat sich durch seine größeren Carieaturen-Zusammenstellungen über die Sitten und die sie verspottenden Zerrbilder in Frankreich und Deutschland einen bekannten Namen gemacht, und auch die beiden neuen vorliegenden kleineren Werke werden bei uns das gleiche Interesse finden, wie die erwähnten umfangreicheren Sammlungen. Jeder der beiden obigen Bände enthält eine Reihe von Zeich­nungen, die deutschen, französischen, englischen und italienischen Witzblättern entnommen wur­den und eine eigenthümliche Folie zu der histo­rischen Figur des ersten deutschen Reichskanzlers und seinem letzten großen Werke, der Schaffung des Dreibundes, bilden. Wer und wir Deutsche haben ja gerade hierzu besonderes Talent! sich ohne Empfindlichkeit und per­sönlichen Verdruß über die zeichnerischen Ver­spottungen gewaltiger Männer und gewaltiger Thaten hinwegsetzen kann, der wird seine Freude haben an dem Witz und der Satire, nicht zu­letzt auch an der Kunst, welche bei vielen der hier mitgetheilten Bilder den Griffel geführt. Mit einem sich durch Sachkenntniß der geschicht­lichen Ereignisse und der sie behandelnden inter­nationalen Literatur auszeichnenden Text hat Grand-Carteret die einzelnen Bilder verbunden, die hierdurch vielfach eine interessante Beleuch­tung und Rückwirkung erhalten. Besonders der Bismarck allein behandelnde Band bildet eine werthvolle Ergänzung zu dem bekanntenBis­marck-Album des Kladderadatsch" und unter­hält nicht nur die Mitlebenden, sondern wird auch späteren Cultursorschern sehr erwünschtes Material zu unserer Zeitgeschichte liefern.

Das deutsche Heer und die Marine.

Militärtypen von Georg Arnould. Mit erläuterndem Text von Felix von Olberg. Wandsbeck-Hamburg, Kunstanstalt (vormals Gustav W. Seitz). A.-G. 1891.

In großem Format und vorzüglichem Far­bendruck, aus welchem Gebiet der bekannte Ver­lag Musterhaftes leistet, werden in diesem statt­lichen Werke die verschiedenen Truppentheile des deutschen Heeres und der deutschen Marine in möglichst genauer Darstellung ihrer Uniformen und in den mannigfachen Lagen des Kriegs und Friedens wiedergegeben. Die einzelnen Bilder, Personen sowohl wie Scenen, sind durchaus populär ausgefaßt und erfreuen durch ihre lebensvolle Gestaltung, die nichts Steifes und Schablonenhaftes an sich hat; die auch zum Einrahmen geeigneten Tafeln, denen stets ein kurzer Text beigefügt ist, sind trotz ihrer aus­gezeichneten Herstellung so preiswürdig, daß sie auf eine weite Verbrertung rechnen dürfen.

I^a lormalloa de 1a i?iu886 vvatem- pvraiae. Uar tloäollro^ OavaiZnae. I'sriL, Haeliettö. 1891.

Das vorliegende Buch ist im Wesentlichen eine Geschichte der Ursprünge des preußischen Staates seit dem großen Kurfürsten und des Ministeriums Stein. Cavaignac sucht nachzu­weisen, daß die neueren deutschen Historiker im Jrrthum seien, wenn sie meinen, Preußen habe dieGrundsätze von 1789" bei sich schon vor der französischen Revolution durchgeführt, und es habe also des französischen Vorgangs gar nicht bedurft, um in Preußen dis demokratische Ver­änderung herbeizuführen, welche das 19. Jahr­hundert charakterisirt; auch habe aus den wei­teren Fortschritt dieser Entwicklung eine fran­zösische Einwirkung nicht stattgefunden. Dieser Ansicht gegenüber bezieht sich Cavaignac auf das Wort Kaiser Wilhelm's II.:Die jungen Leute wissen nicht, wie unsere Nation sich ent­wickelt hat; sie wissen nicht, daß die Ursprünge unseres jetzigen Zustandes von der Epoche der französischen Revolution herrühren." Nicht bloß die jungen Leute wissen das nach Cavaignac nicht; auch die Historiker trifft sein Tadel; ihnen fehle das Bewußtsein davon, daß Frankreich nicht erst 1789, sondern Jahrhunderte vorher schon begonnen habe, die Grundsätze der Ge­rechtigkeit und der socialen Gleichheit zu ver­wirklichen, und daß es am Ende die gesammte europäische Gesellschaft durch sein Beispiel um­gestaltet habe. Cavaignac wünscht somit, kurz gesagt, die unbedingte Priorität Frankreichs auf dem Gebiete der socialen Reform zu vertheidigen. Es liegt auf der Hand, daß man ihm mit sehr gewichtigen Einwänden entgegentreten kann. Weder unter Ludwig XIV. z. B., noch unter Ludwig XV. macht Frankreich in hervorragen­dem Maße den Eindruck, als ob esdie Grund­sätze der Gerechtigkeit und der socialen Gleich­heit" auch nur vorbereitenderweise bei sich ver­wirklicht hätte, und die Beweise dagegen kann jeder Primaner sofort aufsagen; dagegen geht Cavaignac über das etwas zu leicht weg, was die Hohenzollern für den kleinen Mann geleistet haben, auch für den Bauersmann. Gleichwohl möchten wir Cavaignac's Standpunkt nicht alles Recht absprechen, und was die wissenschaftliche Behandlung seiner Aufgabe selbst betrifft, so muß anerkannt werden, daß er mit großem Fleiß und Ernst sich in die Quellen und die