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Deutsche Rundschau.
darstellende Literatur vertieft und ein Werk geschaffen hat, das über die Durchschnittsleistungen der Franzosen über Fragen deutscher Geschichte hoch hinausragt. Wenn er speciell über Stein urtheilt, er habe viel weniger geleistet, als die Deutschen ihm nachrühmten, und habe die Herrschaft des Feudaladels über die Bauerschaft nichts weniger als völlig gebrochen, während die französische Revolution dieses Werk gründlich besorgt habe, so sagt er uns damit nichts Neues: wir wissen das schon durch das geniale Werk F. G- Knapps, den Cavaignac auch öfters citirt, wie er überhaupt seine Quellen pünktlich namhaft macht.
König Sigmund und Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg. Bon Erich Brandenburg, Or. xllil. Berlin, Mayer u- Müller. 1891.
lieber das Verhältniß, in welchem Kaiser- Sigmund zu dem von ihm zum Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg erhobenen Nürnberger Burggrafen Friedrich VI. stand, hat sehr- lange die Droysen'sche Auffassung geherrscht, nach welcher- Friedrich VI. von nationalen Gesichtspunkten geleitet war und Sigmund deshalb unterstützte, weil er in ihm den Mann zu erkennen glaubte, welcher- eine starke Central- regierung über den Landesgewalten zu begründen vermöge. Als er sich in dieser Ansicht getäuscht sah, suchte er die erstrebte Centralaewalt ohne den König ins Leben zu rufen und das Kurfürstencollegium zum Träger der Reichsgewalt zu machen; diesen Sinn hatte der Kur- fürstenbund von Bingen. Friedrich VI. vermochte aber seinen nationalen Gedanken auch in dieser Form nicht durchzusühren und sah sich, da ihn seine Bundesgenossen im Stich ließen, am Ende genöthigt, mit dem König sich zu versöhnen, um völliger Vereinzelung zu entgehen. Dieser- Auffassung ist nun zuerst Caro in seinem 1869 erschienenen dritten Bande der „Geschichte von Polen" entgegengetreten, in dem er zwar einen nationalen Anlauf bei dem Kurfürsten zugab, aber ihn.aus Selbstsucht von seinen eigenen Principien abfallen und sich mit Polen verbünden ließ, welches Sigmund feindschaftlich gegenüberstand. Ähnlich urtheilt Friedrich von Bezold in seiner „Geschichte der Hüsiten- kriege": auch er erkennt eine nationale Periode bei Friedrich VI. an, betrachtet ihn aber als einen gewissenlosen Egoisten, welcher keinen Anstand nahm, des eigenen Vortheils wegen sich mit seiner Vergangenheit in gänzlichen Widerspruch zu setzen. Brandenburg sucht nun nachzuweisen, daß auch der letzte Rest von Droysen's Auffassung über Bord geworfen werden muß, daß Friedrich VI., der den König Sigmund schon von Ntkopoli her genau kannte, gar nie der Täuschung verfallen konnte, als ob der überaus unbeständige Monarch geeignet sei, eine zielbewußte Reichsreformpolitik zu betreiben, und daß Friedrich VI. selbst gar nichts Anderes im Auge hatte, als die Interessen seines Landes, wobei er weder von: Kaiser, noch von den übrigen Reichsfürsten, noch von Polen abhängig sein wollte. Mit dem Jahre 1426 vollzieht sich die Erkenntniß, daß er zu einer solchen Politik, wie
sie Preußen seit 1640 durchführte, nicht stark genug sei, und der Kaiser seinerseits begriff, daß er es aufgeben müsse, von dem Kurfürsten bedingungslosen Gehorsam zu verlangen. Zwischen beiden bildete sich von nun ab eine gegenseitige Duldsamkeit, und so blieb es bis zu des Königs Tode. Die Abhandlung Brandenburgs macht einen vortrefflichen Eindruck; sie ist nüchtern und verständig gehalten und steht im Einklang mit allgemeinen Thatsachen nicht bloß unserer deutschen, sondern aller Geschichte. Die reinen Idealisten, wie Droysen einen zeichnet, sind unter den Staatsmännern stets sehr selten. Die häßliche Schreibung Canditat (auf S. 16) hätten wir gerne vermißt; sie ist natürlich nur ein Iap8N8 ealami.
Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte. Vierter Band, zweite Hälfte. Leipzig, Duncker u. Humblot. 1891.
Der zweite Halbband des Jahrgangs 1891 der „Forschungen" enthält neben ein paar kleinen Mittheilungen und der Bücherschau acht.größere Aufsätze. Paul van Nießen behandelt die Erwerbung der Neumark durch die Askanier, deren außerordentliche Thatkraft er in Helles Licht stellt. Erich Liesegang liefert einen Beitrag zur Verfafsungsgeschichte von Perleberg, das nach manchen schweren Kämpfen einen Ausgleich zwischen den streitenden Parteien fand, wobei das Patriciat nicht vollkommen gestürzt wurde und eine Abstufung von Rechten und Pflichten Platz griff. Ädolf Stölzel wendet sich mit gewichtigen Gründen gegen die Ansicht Holtze's, als ob 1526 eine Kammergerichtsordnung für die Kurmark erlassen worden sei. Mit den Beziehungen des großen Kurfürsten zu Magdeburg befaßt sich Ferdinand Hirsch; er legt dar, wie Magdeburg schon im April 1632 sich aus der furchtbaren Verheerung durch Tilly und Pappenheim wieder emporgerichtet hat, wie es die Quellen seines früheren (übrigens im 17. Jahrhundert schon sehr siech gewordenen) Wohlstandes, den Kornhandel und das Braugewerbe, wieder erösfnete und mit allem Nachdruck darnach strebte, die Reichsunmittelbarkeit zu erlangen; wie aber Friedrich Wilhelm schließlich doch seine auf den westphälischen Frieden begründeten Ansprüche durchsetzte und am 4. Juli 1666 die Huldigung von Rath und Bürgerschaft empfing. Reinhold Koser, der Herausgeber des ganzen Werks, theilt werthvolle Nachrichten über den preußischen Staatsschatz in den Jahren 1740—56 mit: man sieht, wie Friedrich II. den vom Vater überkommenen Schatz von zusammen etwa zehn Millionen Thalern bald für Kriegszwecke verbraucht, bald wieder ergänzt und 1756 fast zwanzig Millionen Thaler angehäuft hat, welche freilich schon im zweiten Kriegsjahre völlig zerrannen. Das berühmte Gaudi'sche Journal, das im Kriegsarchiv des großen Generalstabs sich befindet, eine der reichhaltigsten Quellen zur Geschichte des siebenjährigen Kriegs ist und bereits in früheren Jahrgängen der „Forschungen" mehrfach kritisch untersucht wurde, macht jetzt Otto Herrmann zum Gegenstand einer eingehenden Analyse, aus welcher sich ergibt, daß