Heft 
(1.1.2019) 08
Seite
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Die böse Bärbel.

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Da meine ich doch, ich kenne die Bärbel besser - und Du bist eiu alter, lieber Brummbär, der immer alles so schwarz sieht und der's drum gar nicht verdient, daß ihm der Himmel auch uoch eineu so herzigen Buben bescheert hat!"

Dabei nahm sie den kleinen rothbäckigen Bur­scheil auf den Arm und tanzte mit ihm zwei-, drei­mal um den Tisch, worauf sie sich selbzweit aus den Schoß ihres Eheherrn setzte, der mit Behagen sein doppelt Gluck an sich zog. Aus der Werkstatt aber klang ein fröhliches Lied der Gesellen und auf der Gasse draußen lag der Sonnenschein wie flüssi­ges Gold.

In demselben aber bewegte sich ein breiter, dunkler Schatten, welcher nach dem Hause Bokel- mann's herankam und einem Läufer in gräflichen Farben angehörte. Dieser trat setzt in die Flur und gleich darauf in die Thür der Wohnstube und sagte ohne sonderliche Höflichkeit:

Die Frau Gräfin Barbara von Lichtenberg haben befohlen, daß die Frau Kunigunde nach dem Schlosse kommen möge!"

Des Meisters Gesicht war um ein wenig blässer geworden, das der Frau Gundel aber hochroth; sie war mit dem Büblein auf dem Arme aufgesprungen und wollte zuvörderst dein Läufer sein Botenbrod geben, aber der Mann erwiderte kühl, er habe keine Zeit, zu warten und gleich darauf bewegte sich sein grauer Schatten wieder durch den goldenen Sonnen- streifeu tiber den stillen Markt.

Die junge Meisterin triumphirte.

Ich hab's ja gewußt, daß sie sich meiner nicht schämt und hab's auch gar nicht anders erwartet, als daß sie mich hinauf holen läßt. Am liebsten nähme ich den Buben mit, daß sie sehen könnte, wie drall und munter er ist, aber der Schelm ist zuweilen unartig und wir haben uns doch allbeide viel zu erzählen. Aber mein Sonntagsgewand muß ich doch anziehen mit dem güldenen Brnutkettlein und die Silberspangen und die Ohrringlcin sie muß doch sehen, daß wir auch nicht just arme Leut' sind ..."

So plauderte Frau Kunigunde, die das Knäb- lein bereits wieder Herrn Bokelmauu gereicht hatte, der nur leise für sich den Kops schüttelte und zn- sah, wie sein frisches, hübsches Weibchen ihre Truhen öffnete und in großer Eile ihren Staat hervorholte und anlegte. Ihm war's, als ob der Läufer nicht ein Gesicht gemacht hätte, mit welchem man eine gute Freundin der Herrin einlädt, sondern als ob in den Augen des Welschen ein hämisches Leuchten gewesen wäre. Aber er kam nicht dazu, das Frau Kunigunden zu sagen, denn sie ließ ihn nicht zu Worte kommen und erst als sie mit einem Kuß von ihm und dem Kleinen Abschied nahm, sagte er in seiner ruhigen, ernsten Weise:

Wenn sie Dich etwa nicht ganz so empfängt, wie Du Dir das denkst, nimm Dir's nicht zu Her­zen, Gundel Du brauchst sie nicht!"

Sie sah ihn einen Augenblick groß an, als könne sie gar nicht begreifen, wie er so zu sprechen vermöge, dann lächelte sie ihm freundlich wie ein Kind zu und ging hinaus in dm: Hellen Sonnen­schein, der lustig auf ihrer: Spangen und ihrem Kettlein blitzte und Herr Bokclmann sah ihr durch das Fenster nach, bis sie um die Ecke verschwand und auf seinem gutmüthigen Gesicht lag die Liebe und der Stolz aus sein Weibchen.

Frau Kunigunde aber ging trotz ihrer freudiger: Erregung langsam durch die Gasser: von Buchs­weiler und ihr war's beinahe, als ob die alter: Giebelhäuser sie lustig und respektvoll zugleich an- schauten und wo sie eine Freundin oder Gevatterin unter der Thür oder au einem Fenster sah, da brauchte es. gar keine neugierige Frage, da erzählte sie in: Drange ihres Herzens ganz von selbst, die schöne Bärbel habe sie eiugeladen, nach dem Schlosse zu kommen sie seier: ja Jugendfreundinnen rnit einander ausgewachsen hätten sich allzeit ganz besonders lieb gehabt und es wäre doch hübsch, rnit der Frau Gräfin nur: so auf Du und Du zu stehen.

Da gab es manches neidische Gesicht, das ihr nachschaute und das ihr weder der: schönen Sonn­tagsstaat noch die vornehme Freundin gönnte, aber auch manches ehrliche Gesicht, das zweifelnd drein­blickte, wie cs Meister Bokclmann gethan.

Frau Kunigunde aber ging langsam bereits die Schloßhöhe hinan, lieber , den: Thorbogen wehten noch die Fahnen und um die grauen Pfeiler zog sich grünes, blnmerrgeschmücktes Laubwerk. Hier stand sie still und schaute hinunter auf das Städt­chen und es dünkte ihr, als ob sie nun auch ein wenig dasselbe mitznregieren hätte, seit ihre Uttcn- heimer Freundin hier oben als Gräfin saß, so daß sie fast verwunderlich den sonnverbrannten Lands­knecht ansah, der an: Eingang lehnte, weil er so trntzig nach ihr schaute und sie ohne Gruß an sich vorübergehen ließ. Sie ging über den Hof, wo einige Mägde an: Brunnen standen und sie an­starrten. Auf ihre Frage, wo die Frau Gräfin wohne, wiesen sie stumm nach einer Freitreppe und Frau Kunigunde stieg nun dieselbe hinan.

Jetzt ward ihr doch einigermaßen bänglicher zu Muthe und ihr klopfte das Herz, als sie in: ersten Stockwerk in einem laugen, düster:: Corridor stand und nicht wußte, an welche von den vielen Thüren sie anpochen sollte. Da trat ihr, wie ans dem Bo­den herausgewachsen, so daß sie bis in's Herz hinein erschrak, ein Page entgegen und als sie die­sen: mitgetheilt, Frau Barbara habe sie in's Schloß beschieden, bedeutete sie derselbe, sie möge ein wenig