Skizzen. 1
1. Skizzen.
Es iſt faſt unmöglich, das Staatengebilde des XV. Jahrhunderts, das ſich ſtolz„das heilige römiſche Reich deutſcher Nation“ nannte, ſtaatsrechtlich mit einem Namen zu kennzeichnen. Ebenſo ſchwierig iſt es, den tatſächlichen Träger der Staatsgewalt in dieſem Reiche zu nennen oder des Reiches wirkliche Grenzen feſt zu beſtimmen.
Seit dem XIV. Jahrhundert hatte ſich das früher einheitliche Reich zu einem Gemiſch von Staatenbund und Bundesſtaat gewandelt, wie die Geſchichte ein ähnliches vorher nicht gekannt hatte.|
Die goldene Bulle Karls IV. war der Schlußſtein und die Beſtätigung dieſer Entwicklung.
Nicht mehr das Volk wählte wie einſt durch ſeine Grafen und Herzöge den römiſchen König; ein Ausſchuß von ſieben Fürſten, denen in ihren unteilbaren Erblanden faſt königliche Rechte verliehen wurden, kürte jetzt des Reiches Oberhaupt.“
Nicht mehr der mächtigſte und tüchtigſte Fürſt, ſondern der den Kurfürſten genehmſte Mann trug fortan die Krone Karls des Großen.“)
Lag ſein Stammland an der äußerſten Grenze des Reiches, ſo wurde das Empfehlung, nicht Hindernis für ſeine Wahl.
) K. Zeuner, Die goldene Bulle Karls IV., Bd. I und II. 2) Cusa De concordantia catholica bei Scharpff,„Der Kardinal und Biſchof Nicolaus von Cuſa als Reformator“, S. 51.
Markgraf Albrecht Achilles I. 1