Kirche und Reich.
4. Kirche und Reich.
Seitdem kurz nach der frechen Gewalttat von Anagni die Päpſte in Avignon reſidierten und die ſcharfſinnigen Schriften der Sorbonne die Rechte der Kurie unterſuchten und zerſtückelten, hatte auch der gemeine Mann den Zweifel gelernt. Die nicht mehr aus St. Peter datierten Bullen verloren an Wert. Die ſchmachvolle, weil freiwillige Abhängigkeit von Frankreichs Herrſchern, das ſittenloſe, üppige Leben an der Kurie und die dazu notwendigen Erpreſſungen und Finanzkniffe erbitterten die katholiſche Welt. Das Papſttum war nicht mehr der unerſchütterliche Fels, an dem ſich alle Gläubigen anlehnen konnten, nicht mehr der ſtarke Schutz für alle Geiſtlichen gegen weltliche Unterdrückung.„Aus der Stadt der Apoſtelfürſten verbannt, war das Papſttum wie aus ſeiner Muttererde herausgeriſſen.“) Frechſter Nepotismus und unverhüllte Simonie
) Paſtor, Geſch. d. Päpſte I, S. 80. Außer dieſem Werke find zur Einleitung dieſes Kapitels vor allem benützt Hefele, Konziliengeſchichte, Bd. 7 und 8, Aſchbach, Geſch. Kaiſer Sigmunds, Bd. II und III. Voigt, Enea Silvio de Piccolomini. Pückert, Kurfürſtliche Neutralität uſw. Rohrbacher-Knöpfler, Univerſalgeſch. 1 kath. Kirche, Bd. XXIII. Dü x, Der Kardinal Nikol. v. Cuſa, von
eumont, Geſch. Roms II, 2 und IM, 1. Ullmann, Reformatoren vor der Reformation. Joachimſohn, Gregor Heimburg. Roßmann, Betrachtungen über das Zeitalter der Reformation. Sonchon, Die Papſtwahlen von Bonifatius VIII. bis Urban VI.