Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
272
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272 Kirche und Reich.

machten ſich an der Kurie mehr als je breit; ein Entrüſtungs­ſchrei der deutſchen Nation antwortete, als der Vaſall der fran­zöſiſchen Könige, der ſich Papſt nennen ließ, den Kaiſer Lud­wig zu bannen wagte.

Dann kam die furchtbare Zeit, in der drei Päpſte gleich­zeitig für ſich Obedienz verlangten, ſich gegenſeitig unter den widerlichſten Schimpfnamen bannten, im Reiche drei römiſche Könige ſich gegenüberſtanden. Hier endete Verzicht und Tod bald den Streit. Der ſittenloſeſte der drei Könige, Sigmund, war berufen, das Schisma in der Kirche abzuſtellen.

Auf dem Konzile von Konſtanz entſagten die drei Päpſte ihrer Gewalt. Papſt Martin V., energiſch und zielbewußt, doch gleich ſeinen Vorgängern dem Golde hold, wurde gewählt. Nicht allzu viel war gewonnen; nur die beiden Beſchlüſſe des Konzils:Sacroſancta, nach dem ein rechtmäßig verſammel­tes Konzil in Dingen, die den Glauben berührten, auch über den Papſt Gewalt und Strafrecht haben ſollte, undTre quens, nach dem die Päpſte verpflichtet waren, in beſtimm­ten Zeitfolgen Konzilien zu berufen, ſchien unter der uner­freulichen Herrſchaft Martins V. die Gegner von neuen Feind­

Breßler, Die Stellung d. deutſchen Univerſitäten zum Baſeler Konzil. Bachmann, Die deutſchen Könige u. d. kurfürſtl. Neutralität, Archiv f. öſterr. Geſch., Bd. 75. Palacky, Geſch. Böhmens, III u. IVa. Bachmann, Geſch. Böhmens, Bd. II. Aeneas Silvius, Opera Pii II. Pontif. maximi commentari, Commentarius in C. Fea. Pius II. a calumniis vindicatus. Mansi Sacrorum Conciliorum Tom. 19 v. d. Hardt, Magnum Oecumenicum Constant, Concil. Labbe und Coſſart, Sacros. Concil., XIII. Würdtwein, Subsid diplom Lt. VII. Dresdner Staatsarchiv, Fasz. Religions­ſachen A. Wie Clemens V., derpastor senza lege, eine unwürdige Ausbeutungspolitik getrieben hat, und die Angriffe, die die Päpſte auch vor ihrer Uberſiedlung nach Avignon zu erleiden hatten, ſtellt Haller dar in feinem Werke: Papſttum und Kirchenreform. Vgl. auch Hallers Vortrag über das Baſeler Konzil, Baſeler Korreſp Blatt des Geſamt­vereins der Geſch. u. Altertumsvereine, Januar 1910.