Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
26
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26 Skizzen.

jedem ſtellte er wacker ſeinen Mann. Er war ein würdiger Hofmeiſter ſeinergnädigen Frau, der Markgräfin. Er ſtritt und feilſchte mit den Juden um ſeines Herren Schulden oder um den vom Kaiſer Friedrich Albrecht verliehenengüldenen Opfer­pfennig. Als Hauptmann der Cadolzburg ſtritt er gegen die Nürnberger. Ernſt und überzeugungsvoll vertrat er ſeines Herren Anſprüche auf das Muttererbe gegen Herzog Heinrich von Bayern, voll Eifer verfocht er Albrechts Rechte nach einem verlorenen Kriege vor den Schiedsrichtern gegen den Biſchof von Bamberg. Die Regeln, die er für die Verwaltung des Landes und des Hofes aufgeſtellt hat, blieben noch lange nach ſeinem Tode maßgebend. Er war Landrichter ſeiner Herren in Nürnberg und der kluge Chroniſt ihrer Taten.)

Eyb und ſeine Freunde waren es wohl zufrieden, daß die Zollern Herren in ihrem Hauſe ſein wollten; ſo laſtete nicht allzu große Verantwortung auf ihren Schultern. Streitig­keiten und Eiferſüchteleien unter den Beamten wußten die Markgrafen mit großer Entſchiedenheit niederzuhalten.?) In wichtigen Angelegenheiten erhielten alle burggräflichen Be­amten genaueſte Inſtruktionen. Nach dieſen handelten ſie treu und gewiſſenhaft.

In Zeiten der Not hat ſich dieſer Mangel an Selbſtän­digkeit einige Male gerächt; aber in guten und ſchlechten Zeiten ſind damals die Burggrafen von unermüdlichem Eifer, gutem Willen und aufrichtiger Liebe bedient worden.

Von einer rechten Liebe, nicht von einer blinden, die vor einem ſelbſtgeſchaffenen, unwirklichen Idole kniet, ſondern

1) Das Geſchlecht derer von Eyb zeichnete ſich gerade damals durch beſonderen Eifer und Bildungstrieb aus. Nicht weniger als 7 Glieder der Familie erwarben an der juriſtiſchen Fakultät in Pavia oder Padua den Doktortitel. Stölzel,Entwicklung des gelehrten Richtertums in deutſchen Territorien, I., S. 46. Über Ludwigs Bruder, den erſten Humaniſten, vgl. Hermann,Albrecht von Eyb. 2) Priebatſch, a. a. O. I., S. 384. 2