Skizzen. 27
von einer, die des geliebten Gegenſtandes Fehler kennt und auch die Fehler liebt.
In der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts ſcheuten deutſche und ausländiſche Fürſten auch große Opfer nicht, um Diplomaten der Ansbacher Schule zu gewinnen.
Denn in den Kanzleien und Ratsſtuben der anderen Fiojůrſten fand man nur ſelten ſolche Liebe, ſolchen Eifer.
100 Des Kaiſers Kanzler erklärte dem burgundiſchen Ge— ſandten offen, an die Erfüllung feiner Wünſche wäre nur zu denken, wenn er vorher beſtimmte kaiſerliche Räte beſtechen würde. Er fügte hinzu:„Ich wollt' auch gerne wiſſen, warumb daß ich dienen ſollt, ſo wer ich auch deſto fleißiger.) Wer nicht vor ſeiner Abreiſe an den Kaiſerlichen Hof Geld in ſeinen Beutel getan hatte, konnte nicht hoffen, ſelbſt ein gerechtes Verlangen dort durchzuſetzen. N Ein Höfling höhnte rechtſuchende Bürger:„Viel Geld, kurze Zeit; wenig Geld, lange Zeit.“) Am Hofe ſei alles um Geld feil, ſo berichteten 1447 die Frankfurter Boten dem Rate ihrer Stadt.“) 10 Wie die kaiſerliche Kanzlei im großen, trieb es manche fürſtliche Kanzlei im kleinen. 1 Es war Übung geworden, daß ein Fürſt die„trefflichſten“ Räte ſeiner Nachbarn und Freunde beſoldete, und ſie verpflichtete, ſeine Intereſſen bei ihrem Herrn wahrzunehmen. Mancher Fürſt wußte in ſeinem geheimſten Rate Männer, die mehreren anderen Fürſten eidlich verpflichtet waren. In wichtigen Fällen borgten die Fürſten einander beſonders gewandte Räte,“ die ſo in die Staatsgeheimniſſe fremder KanzRN i) Ehmels öſterr. Geſchichtsf. I., S. 240; Birk,„Herzog Philipp von Burgunds Geſandtſchaft an den Hof Friedrich IV. 1) Jannſen, Frankfurts Reichskorreſp. II. S. 101.
3) Jannſen, a. a. O. II, S. 103.
) Nürnb. Kr. A. Briefbücher 18, Im Jahre 1446 bitten der Erzbiſchof v. Trier die Herzöge Heinrich u. Albrecht v. Bayern, Herzog Albrecht v. Oſterreich u. d. Stadt Nördlingen den Nürnberger Rat, ihnen Gregor Heimburg leihen zu wollen.