Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
196
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196 Die Jugendzeit des Markgrafen.

ſunderlich gegen Vater und Mutter) oder wie er der Geld­ſpenden gedenkt, die ihm einſt in jungen Jahren die Mutter in ſeinen kleinen Nöten heimlich zugeſteckt hat.)

Das war die gleiche Frau, die mit den Bündnern ihres Gemahls den Kriegsplan gegen Herzog Ludwig bedachte, die mit den rheiniſchen Kurfürſten das Vorgehen gegen König Sigmund beriet, als ſchmucker Feldhauptmann ſelbſt ihrem Gemahl die Truppen von Franken in die Mark zu Hilfe führte; die ſo oft, wenn er in Ungarn oder Böhmen kämpfen oder fern in des Reiches Geſchäften raten mußte, ſich als tapfere Verweſerin ſeiner Länder erwieſen hat.

Wer in einem Lebensbilde Licht und Schatten gerecht verteilen will, ſucht in dieſem den Schatten vergeblich.

Sie war eine Frau, ſo ſchön wie ſelbſtlos, ſo tapfer wie fromm, ſo edel wie barmherzig.

Auch in ihren Adern rollte das Blut der Visconti; aber die Miſchung des romaniſchen und germaniſchen Blutes, die dem Hauſe Bayern damals ſo unendlich ſchadete, hat in ihr eine feine Menſchenblüte getrieben.

In einer demütigen Stunde knieend mit erhobenen Händen betend, hat auf dem Denkmale ihres Gemahls ein Künſtler die fromme Frau dargeſtellt. Er hätte fie uns viel­leicht beſſer in einer ſtolzen Stunde ihres Lebens zeigen ſollen.

An ihren Rock ſich krampfend den kleinen Friedrich, auf dem Arm den kleinen Albrecht, wie ſie die trotzigen Rebellen der Mark zur Huldigung oder ihren kampfesfrohen Vetter, denZänker Ludwig, zum Waffenſtillſtand zwingt.

Eine Fürſtin, eine Gattin, eine Mutter.

1) Prie batſch, Polit. Korreſp. d. Markgr. Achilles, III, S. 132. 2) Höfler, Kaiſ. Buch, S. 191.

3) Brandenburg, König Sigmund u. Kurf. Friedr. I., S. 126. Riedel, Cod. dipl., III, 1, S. 180.

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