Die Jugendzeit des Markgrafen. 195
und Vertraute, der Kinder beſorgte Mutter— die dann in der Stunde der Not ſich als tapfere Regentinnen erweiſen, und nach getaner Arbeit wieder beſcheiden zu ihren häuslichen Auf— gaben zurückkehren.
Eine ſolche Frau war Eliſabeth, die erſte Kurfürſtin des Hohenzollern-Hauſes.
Die„ſchöne Elſe“ hat der Volksmund ſie genannt; der heiligen Cäcilie gleich ſchien ſie einem frommen Meiſter ihrer Zeit.“)
Sie war eines Kaiſers Urenkelin, war aus dem Hauſe der Wittelsbacher, das ſich damals wohl das edelſte im Reiche dünkte, entſproſſen.
Aber als ſie ſich vor dem Altare erhob, an dem ſie dem Burggrafen Liebe und Treue geſchworen hatte, da war ſie eine Hohenzollerin geworden.
Kaum irgend eine Urkunde findet ſich von ihrer Hand, die nicht einen Verzicht zugunſten ihres Gatten, ein Geſchenk für ihre Kinder enthält oder die nicht ein Beweis iſt für ihre
ſtete Sorge um des Hohenzollern-Hauſes Größe; wenn es die zu wahren galt, trat fie ſelbſt dem Bruder, dem Vetter entgegen.
Sie hat ihrem Gemahl 11 Kinder geboren und die kleine Schar mit zarter Sorge wie einen Roſengarten') gehegt und gepflegt.
Rührend iſt es, wie noch im Alter Albrecht ſeinen Sohn mahnt,„es gibt keine größere Sünd dann Undankbarkeit und
1) Seidel, Die älteſten Bildniſſe der Brandenburgiſchen
Hohenzollern. Hohenzollern⸗Jahrb. 1902, Bd. VI, S. 58—59. Vgl. auch Angelus, Annales Marchiae Brandenburgicae, S. 190. .) Vgl. Höfler, Denkwürdigk. Ludw. von Eyds, S. 150.. So ſein ſie zwiſchen Dorn und Diſtel aufgewachſen als Roſen oder gute Blumen.“ Das iſt ein Lob ſowohl für die jungen Fürſten, wie für ihre Eltern; denn„man ſammelt auch keine Feigen von den Dörnern und von der Hecke lieſt man keine Weintrauben.“ Lukas VI, 44.
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