194 Die Jugendzeit des Markgrafen.
viel von ihm, alſo halten wir von ihm, als er iſt, doch weiß Euer Liebe wohl, daß unſeres Geſchlechtes Ge— wohnheit je geweſen und auch noch iſt, von wem wir nicht viel haben, da geben wir nicht viel umb.“)
In jeder Menſchenlaufbahn ſagt ein engliſcher Dichter, findet der emſig forſchende Blick ein Weib als treibende oder hemmende Kraft.
Kein Suchen braucht es in der Geſchichte des Kurfürſten Friedrich, um die Helferin ſeines Lebens zu finden. Selten nur melden uns Urkunden und Chroniken vom Wollen und Werden einer Fürſtin; mancher kluge Rat, den ſie gegeben, und der den Gatten vor Schlimmem bewahrt, manche weiſe Schonung, die ſie empfohlen und die ihm Freunde geworben hat, mehren nur ſeinen Ruhm. Wenn die Saat aufgeht, die ſie mit unendlicher Sorge in Kinderherzen gepflanzt hat, iſt faſt ſchon die Mühe der Pflegerin, der Unkrautjäterin, vergeſſen.
Denn das ſegensreiche Wirken ſolcher Frauen überlebt ſelten das Gedenken ihrer Kinder und Enkel.
Ganz anders das Lebensbild der Regentinnen.
Wie ein Beweis zur Behauptung des großen deutſchen Philoſophen, daß in jedem Weibe ein Tyrann verſteckt wäre, lieſt ſich ihres Lebens Schilderung.
Nur wenige ſchlechte Regentinnen kennt die Geſchichte. Es iſt, als wenn dieſe Frauen an ihrer Aufgabe wüchſen. Galt es je ein großes Erbe zu verteidigen, die Kinder vor Entrechtung zu ſchützen, ſo haben ſich faſt alle dem ſtärkſten Gegner ebenbürtig erwieſen.
Ganz ſelten aber find die Fürſtinnen, die in ihrem häuslichen Wirkungskreiſe völlig aufgehen— des Gatten Geliebte
1) Höfler, Das kaiſerl. Buch, S. 91—92. Der Brief endet: „Der Kaiſer gibt uns nichts und will uns neuerlich das Unſere nehmen, das iſt uns ſo nicht eben.“