198 Der neue Herr.
Ausdruck gab.„Ihr wiſſet wohl unſer Vater hatte viele Län—
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der, wir haben nicht mehr als eins.
Ihnen— Albrecht war jetzt 26 Jahre— fehlte naturgemäß das Anſehen des Vaters, die Achtung, die dieſer durch ſeine Klugheit und ſeine Erfolge oft ſelbſt dem Gegner abge— nötigt hatte.
Gleich im Beginne ihrer Regierung hatten die jungen Markgrafen ihr Meiſterſtück abzulegen, den Beweis zu erbrin; gen, daß ſie keinen Fuß breit ihres Einflußgebietes ſich beſchränken laſſen wollten.
Schon in den letzten Jahren hatte die groß angelegte Politik Herzog Friedrichs von Sachſen, den ſeine Zeitgenoſſen, ſehr zu Unrecht, den Sanftmütigen genannt haben, die Wege des Kurfürſten Friedrich durchkreuzt.
Herzog Friedrich, der als Vormund auch das Erbe ſeiner jüngeren Brüder Sigismund und Wilhelm verwaltete, hatte 1438 die Wahl des greiſen Kurfürſten Friedrich von Brandenburg hintertrieben, den eigenen Kandidaten durchgeſetzt. Seinen Bruder Sigismund hatte er zum geiſtlichen Stande beſtimmt, ſeinen ſechzehnjahrigen Bruder Wilhelm mit einer der reichſten Bräute des Reiches, Anna, der Tochter König Albrechts, verlobt. Nach dem Tode des kinderloſen Landgrafen Friedrich fiel ihm und den Seinen als nächſten Verwandten Thüringen zu. Seit langem hatte er auch Einfluß in der Mark Lauſitz zu gewinnen verſucht, die durch Karl IV. einſt von Brandenburg abgeriſſen und den Ländern der böhmiſchen Krone angegliedert war. Die Lauſitz wurde damals durch einen Pfandhalter Nickel von Polenz!) verwaltet. Schon im März 1440 hatte Herzog Friedrich das Land zu beſetzen verſucht, nur das ſchnelle Aufgebot märkiſcher Mannſchaft hatte ihn an der Ausführung ſeiner Abſicht gehindert.
) Vgl. Genaueres Kotelmann, Geſch. d. älteren Erwerbung der Hohenzollern in der Niederlauſitz, S. 4 ff.