Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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Der neue Herr. 190 Ein mächtiges Reich im Herzen Deutſchlands ſuchte der Herzog aufzurichten, vor allem auch im Bistume Würzburg, das durch den unerhörten Leichtſinn ſeines Biſchofs beinahe zur Säkulariſation getrieben war, ſich den maßgebenden Ein fluß zu ſichern.

Im Januar 1438, während der Wahlverhandlungen in Nürnberg, ſchloß ſich Biſchof Johann ganz an Herzog Fried rich an; jedenfalls wurde ſchon damals über die Ernennung des Herzogs Sigismund zum Stiftsverweſer verhandelt. Vor allem aber galt es für Herzog Friedrich, den alten Kurfürſten von Brandenburg, der ſeit der Kaiſerwahl mißtrauiſch die ſächſiſche Politik beobachtete, wieder zu beruhigen. Der treueſte Freund des Herzogs, Landgraf Ludwig von Heſſen, unternahm es, am 1. Juni 1439, die Gegner wieder zu verſöhnen.)

Man verabredete, daß die alten Bündniſſe wieder in Kraft treten ſollten, und daß Friedrich, der zweite Sohn des Kurfürſten Friedrich, der damals ſchon in der Mark reſidierte, Katharina, eine Schweſter Herzog Friedrichs, heiraten ſollte; ja, die Markgrafen verpflichteten ſich, um in Zukunft alle Zwiſtigkeiten zu vermeiden, nie wieder ſächſiſche Untertanen vor ihr Nürnberger Landgericht zu laden.

Nicht wenig erſtaunt werden die Markgrafen nach Ab­ſchluß dieſes Freundſchaftsbundes geweſen ſein, als im De­zember eine nach Würzburg geſandte Botſchaft Herzog Fried­richs, die angeblich eine Dompfründe für Herzog Sigismund erbitten ſollte, die Wahl des Herzogs zum Stiftsverweſer durchſetzte.

Das Erſtaunen der Markgrafen mußte jedoch zur ernſten Beſorgnis wachſen, als ſie das Reſultat der zu Coburg geführ­ten Unterhandlungen zwiſchen dem Biſchof und den ſächſiſchen Herzögen erfuhren. Die Regierung des Stiftes ſollte nicht der jetzt vierundzwanzigjährige Herzog Sigismund führen,

) Riedel, Cod. dipl. II, 4. S. 195.