Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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200 Der neue Herr. ſondern vier Räte, von denen Herzog Friedrich und der Biſchof die Hälfte ernennen ſollten. Herzog Sigismund be­ſchwor nach dem Tode Johanns, ſich nur von dem als recht­mäßig allgemein anerkanntem Papſte beſtätigen zu laſſen und ſich den Weiſungen der vier zum Landesregiment erwählten Räte zu fügen. Dagegen verpflichteten ſich nicht nur ſeine Brüder, ſondern auch die Landgrafen von Thüringen und Heſſen, ihn und das Bistum zu ſchützen.)

Herzog Friedrich wurde durch dieſen Vertrag der eigent­liche Herr im Stifte.

Für die Markgrafen galt es, gute Miene zu dieſem böſen Spiele zu machen, wollten ſie nicht die eben neu beſchworenen Bünde brechen. Aber die gute Miene verbarg ſicherlich keine Heiterkeit, der Gedanke war troſtlos, daß ſich zwiſchen den Landen in den Marken und in Franken ein ein­heitliches, von einem ehrgeizigen Fürſten geleitetes Reich ſchob.

Ein kleiner Genieſtreich war Herzog Friedrich geglückt. Der unbequeme, weil ſtets unzufriedene Bruder verſorgt, der Einfluß in dem mächtigen Bistum geſichert. Mehrten ſich durch den leichtſinnigen Bruder die pekuniären Schwierigkeiten des Stiftes, ſo war in Zukunft der Ertrag ſolchen Einfluſſes nicht abzuſehen.

Den achtzehnjährigen Sigismund hatte einſt Herzog Friedrich geiſtlich werden laſſen.) Den kleinen Landbeſitz, den er ihm nach Empfang der Weihen gelaſſen hatte, nahm er ihm zwei Jahre ſpäter angeblich wegen ſeines leichtfertigen

1) Frieſe, Chron., S. 770 und Dresdener Hauptſtaats⸗Archiv, Urkunde 6568.

2) Die Liebe zu einer Nonne, einem Fräulein von Lohma, ſoll Herzog Sigismund zu dieſem Entſchluſſe veranlaßt haben; der Grund dieſes Verzichtes auf Macht und Reichtum ſetzt ein tiefes Gemütsleben des Herzogs voraus, das zu ſeinem ſpäteren leichtfertigen Treiben durchaus in Widerſpruch ſtehen würde.;