Kirche und Reich. 319
Die Tatſache aber, daß der König ohne ſchriftliche Vereinbarung oder Soldvertrag überhaupt die wüſten Raubſcharen, die noch nirgends Zucht und Ordnung gehalten hatten,) mit großen Verſprechungen in das Land und gegen feine Untertanen gerufen hatte, überging Abrecht mit Stillſchweigen. Seine an den Dauphin gerichtete Aufforderung„heimzukehren“ war ebenſo patriotiſch, wie unbillig. So leicht ließen ſich die dienſtbaren Geiſter, die man gerufen hatte, nicht bannen. Vor dem offenen Ausbruch der Wut, nicht vor Tadel, konnten Albrechts Worte den König ſchützen.
„Du ſollteſt mehren das römiſch Reich, So willſt du es zerſtören,
Du haſt die Mörder hergeladen, Allen Städten auf ihren Schaden, Scham dir der großen Unehren.“
So ſang das Volk von König Friedrich.“)
Er hatte an dem Tage, als er trotz ſeiner geringen Hilfsmittel Zürich ſeinen Beiſtand gegen die Eidgenoſſen verhieß, geſät, was er in dieſen Monaten erntete; ſeine feige, hinterhaltige Politik brachte ihn jetzt auch noch um die volle Frucht ſeines Landesverrates.
Hatte der Dauphin noch nach der Schlacht von St. Jakob erklärt,„er wolle feinem Schwager von Oſterreich helfen wider ſeine Feinde und ihm wieder einbringen, was zu ſeines Vaters Krone gehört habe,) fo leitete ihn jetzt natürlich nur noch der eigene Vorteil. Er verſuchte Baſel zur Huldigung zu bewegen und ſchloß mit den Eidgenoſſen einen Waffenſtillſtand.“)
) Straßburger St. A., A. A. 189, Nr. 43. Schon 1439 hatte Straßburg ſich bei Ulm erkundigt,„von der Schinder und Armiaken und ſolicher Verherunge wegen, die ſie von der Prieſterſchafft, Frauen, Jungfrauen, Landen und Leuten und aller Ehrbarkeit tun“.
) Aus Berlers Chronik vgl. Würdinger, Kriegsgeſch. Bayerns I., S. 332, Anm. 2.
) Wülcke r Urkd. uſw. S. 38. Du Fresne de Beaucourt Histoire de Charles VII, Bd. IV, S. 30.
) Am 20. September, Eidgenöſſiſche Abſchiede, II, S. 867.