Kirche und Reich. 323
ſich ihr Mißtrauen nicht. Sie fürchteten, der Anſchlag werde nicht den Welſchen, ſondern einem Gliede des Reiches, den Eidgenoſſen gelten.
Der enge Anſchluß der„Vermittler“ an den Bruder des Königs, Erzherzog Abrecht, dem ſchon im Auguſt das Reichsbanner wider die Eidgenoſſen übertragen war,) und der Tag zu Villingen, an dem die„Vermittler“ dann auch ſtatt zum Frieden, zum Kampf wider die Eidgenoſſen aufriefen, ſowie ihre Abſage als Helfer des Herzogs?) zeigte den Städteboten, wohin die Fahrt ging. Vergebens bat der Herzog in Markgraf Albrechts Gegenwart die Boten Straßburgs die Städte zu veranlaſſen, ihm zu helfen, wenn die eidgenöſſiſche Tagſatzung den von ihm vorgeſchlagenen viermonatlichen Waffenſtillſtand nicht annehmen würde;) nicht dem Sſterreicher gegen ein Glied des Reiches, ſondern den Städten des Elſaſſes gegen das„fremde Volk“ ſandte der ſchwäbiſche Städtebund damals Hilfe.“
Wie ein auf ſchlimmer Tat ertappter Schulbube,„gar demütig“, hatte der König vor den Städteboten geſtanden, als
dem Reichstag die Kunde kam, der Dauphin hätte Baſel zur Huldigung aufgefordert; am eifrigſten hatten ſeine Räte Rüſtung gegen die Eindringlinge gefordert.
Zwei Geſandtſchaften gingen an den franzöſiſchen Königsjohn. ab;°) die erſte unter dem Biſchof von Augsburg dankte
1) Chmel, Materialien I, 2, S. 140—144. Zugleich übertrug König Friedrich ſeinem Bruder die dreijährige Verwaltung der Vörlande und Tirols, dagegen verlängerte Erzherzog Albrecht für drei Jahre ſeinen Verzicht auf die Verwaltung der inneröſterr. Länder.
2) Tſchudi, S. 435. Stalin a. a. O. III, S. 467.
3) Straßburg. St.⸗Arch. A. A. 190. Brief d. Klaus Schomlit an Ammeiſter Schalk v. 5. Oktober.
) Nördlinger St.⸗A., Städtebundakten v. J. 1444. Straßburg. St.⸗A. A. A. 189, Nr. 4, 27, 56, 70.
) In Nürnberg war zuerſt beſchloſſen worden, daß Albrecht, Herzog Ludwig d. J., Markgraf Jakob, Graf Ulrich, der Biſchof von Augsburg und die Städteboten gemeinſam den Dauphin aufſuchen ſollten. Witte, Reg. III, 6350.
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