Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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460 Der Städtekrieg.

der Sitte der damaligen Zeit, die kaum erlaubte, dem Freunde einen Abſagebrief gegen ſeinen Feind zu verweigern.) Auch hätte im Städtekriege in der Tat nur ein kleiner Teil der Ab­ſagenden gegen Nürnberg gekämpft. Ein Prinzipienkampf wäre ſchon deshalb ausgeſchloſſen, da eine Reihe von Fürſten und Edlen mit den Städten verbündet geweſen wären oder ihnen gegen­über wenigſtens eine wohlwollende Neutralität bewahrt hätten und weil auch Bürger als Helfer der Fürſten wider die Städte geſtritten hätten. Faſt wie eine großartig angelegte Raub­ritterfehde erſcheint dieſen Hiſtorikern der Städtekrieg.

Ein Prinzipienkampf im eigentlichſten Sinne des Wor­tes iſt dagegen dieſer Krieg den anderen Geſchichtsſchreibern.)

Hatte Markgraf Albrecht doch ſelbſt erklärt, daß er nicht um ein Kübel Geld kämpfe. f

Nicht einmal um eine endliche klare Ordnung, ſondern um Niederwerfung der Stadt und der Städte wäre es Albrecht zu tun geweſen,) ſo wird behauptet.

Wenn einen Bürger ein Lehensverhältnis, einen Fürſten oder Edlen eine Feindſchaft oder ein beſonderes Intereſſe in die Reihen der Gegner getrieben hätte, ſo nehme das dem Kriege in keiner Weiſe ſeine prinzipielle Bedeutung. Es handle ſich bei dieſem Kampfe umeine politiſche Bewegung, welche wenigſtens in ihren Ausgangspunkten und Tendenzen da ganze Reich umfaßt hätte.|

Jeder Abſagende wäre ein Städtefeind, ein Gegner demokratiſcher Entwicklung geweſen: gleichgültig, ob er trotz ſeiner Abſage an Nürnberg tatſächlich nur gegen Ulm und SP lingen gekämpft, oder ob er ſich durch ſeinen Fehdebrief ledig­

1)Der Adel legt einander ſelten ab, ſagt ein Nürnb. Chroniſt.

2) Kern, Die Fürſtenpartei im Städtekrieg. Städte⸗Chr. 1 S. 417.Ein Prinzipienkampf im echten Sinne des Wortes nennt 15 auch Eichmann, der Städtekrieg von 1449.1450, beſonders die Feh Herzog Albrechts mit den ſchwäbiſchen Reichsſtädten.

8) Droyſen, Geſch. der preuß. Politik, II, S. 121.