Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
633
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Durch Kampf zum Frieden. 633

ebenſo zweideutige Rolle wie einſt in Nürnberg vor ſeinem Eintritte in die markgräflichen Dienſte.) ö

Wohl wußte Albrecht auch dann noch die Zwitterſtellung ſeines Kanzlers geſchickt zu nützen. Als Schiedsrichter ließ er ihn die Jahrzehnte alten Streitigkeiten der Markgrafen mit der Stadt über die Nutzungsrechte am Reichswalde im weſent­lichen zu ſeinen Gunſten ordnen, aber das alte trauliche Ver­hältnis zwiſchen ihnen wurde nicht wieder hergeſtellt.

Spät erſt gewann ſo in Albrecht die natürliche Abneigung die Oberhand gegen den römiſchen Juriſten, deſſen Anhänglich­keit eben doch ihren Preis hatte, der nicht wie die meiſten ſeiner übrigen Räte an ſeines Vaters oder ſeinem Hofe erzogen und mit der Herrſchaft aufGedeih und Verderb verbunden war.

Nach dem Städtekriege ſetzte Albrecht noch das größte Vertrauen in Dr. Knorr, daß er energiſch die markgräfliche Sache gegen ſeinen früheren Brotgeber, den Rat von Nürnberg, vertreten würde. g

Auch war keiner ſeiner Räte befähigter, die diplomatiſchen Winkelzüge, durch die Albrecht die Entſcheidung des Königs hinausſchieben wollte, juriſtiſch zu begründen; keiner hätte mit größerem Ernſte oder mehr Wichtigkeit ſeine Vorwände wie Lebensfragen der geſamten Fürſtenheit hinſtellen können. Im hitzigſten Wortgefechte blieb Dr. Knorr kühl und gelaſſen; aus ſeiner Reſerve lockte ihn kein Drohen, kein Schmähwort des Gegners. Er war kein hervorragender Redner, auch nicht als Juriſt von beſonderer Bedeutung war er doch nicht einmal doctor utriusque juris; aber wie eine Bulldogge, die ſich von einem Wagenrad, ohne loszulaſſen, ſchleifen läßt, ſo verbiß er ſich in eine Sache. Nie gab er ſich beſiegt, wenn der Gegner meinte, ihn durch die überzeugendſten Gründe widerlegt zu haben, dann ſtellte Dr. Knorr in anderer Form die gleichen Behauptungen von neuem auf.

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es) Priebatſch, Polit. Korreſpond. des Kurf. Albrecht Achilles I.,