650 Durch Kampf zum Frieden.
Als Sekretär des Konziles in Baſel, als des Kaiſers Rat in Neuſtadt, als Kardinal in Rom hat ſich Aeneas bei dieſer Jagd gleich ſkrupellos erwieſen.
Doch wie wenige Geiſtliche hielten ſich damals von dieſer Jagd fern; Simonie warf man meiſt nur dann dem Gegner vor, wenn man ſelbſt nicht Gelegenheit hatte, ſie zu treiben. Auch war Aeneas nicht der Sklave, ſondern der Herr des Geldes.“) Wohl ſollte es ihm den feineren Lebensgenuß ſchaffen, den er begehrte, und zur Entfaltung ſeiner Fähigkeiten auch ein wenig notwendig hatte, vor allem ſollte es ihm weiter helfen.
Niemand hat er wie er die Richtigkeit des Jeſus Sirach Wortes erfahren, das er einmal zitiert:„Der Reiche redet, alle ſchweigen und erheben ſeine Worte bis an den Himmel. Der Arme redet, und man ſagt, wer iſt der?“) Und Aeneas Silvius wollte weithin gehört werden.
Auch vor Tartuffe haben ſchon beſſere Männer gewußt:„qu'on trouve avec le ciel des accomodements.“
Aber weder die Jagd nach Pfründen noch ſeine erotiſche Anlage oder ſeine verſchiedenen Stellungnahmen in kirchenpolitiſchen und dogmatiſchen Fragen haben, ſo paradox es klingt, je ſeine tiefe und aufrichtige Frömmigkeit berührt.
Nur die Bitten ſeiner Freunde hielten den Zwanzigjährigen, den des Bernardino Bußpredigten erſchüttert hatten, ab, in ein Franziskanerkloſter einzutreten.
Zehn Jahre ſpäter wurde auf einer Geſandtſchaftsreiſe nach Schottland ſein Schiff in der Nordſee durch einen
1) Der von Looſe, Heinrich Leubing, Mitteilungen des Vereins f. Geſchichte d. Stadt Meißen, 1883, S. 59—61, auch gegen den Papſt erhobene Vorwurf, er hätte ſich bei der Abſetzung Leubings geldhungrig gezeigt, iſt ſolange nicht erwieſen, bis die Intriguen Lochners, des Gegners Leubings, in Rom klargelegt ſind.
2) Jeſus Sirach XIII, 28—29. Vgl. auch den Glückwunſchbrief des Aeneas Silvius an den Biſchof von Eichſtätt. Hagenbach,& innerungen an Aeneas Silvius Piccolomini, S. 22.
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1771 WO Ak