Durch Kampf zum Frieden. 649
lung. Nicht ſo Aeneas Silvius,— ſein Geſchmack, ſeine feine Lebenspolitik hinderten ihn an ſolcher Wandlung; er blieb ſtets gleich freundlich, gefällig und dankbar. Selbſt Gegnern hat er mehr als einmal goldene Brücken gebaut, ſie durch Empfehlungen und Entgegenkommen verſöhnt. Er vergaß nie Männer, die ihm wichtige Dienſte erwieſen hatten, daran zu erinnern, daß ſein Aufſtieg im Grunde ihr Werk wäre.
Wenn ſich aber Aeneas Silvius auch von den Unarten vieler Streber freihielt, mit um ſo größerem Geſchick übte er die Eigenſchaft, die alle Streber gleichmäßig kennzeichnet: die Schmeichelei gegen Vorgeſetzte und Höhergeſtellte. Seine Menſchenkenntnis, ſein ungewöhnliches Anpaſſungsvermögen hinderten ihn, allzu kriechend zu werden, wenngleich er als echter Italiener niemals die Superlative ſparte.
Aber er verdankte dieſen Schmeicheleien weit weniger ſeinen Erfolg, als ſeiner Begabung, ſeinem Fleiße, ſeinem unermüdlichen Wiſſensdrange. Niemals hat er ſich ſelbſt geſchont.
Schon in der Jugend hat er willig Entbehrungen gelitten, um zu den Füßen eines bedeutenden Lehrers ſitzen zu dürfen; wenn ſeine Freunde während des Konziles faulenzten und ſich auf ihr gutes Glück verließen, arbeitete er bei dem Scheine einer trüben Lampe. Nie hat er Opfer geſcheut, um ſeinen Bildungshunger zu befriedigen; ſelbſt ſchmerzhafte Krankheit hat ihn weder als Biſchof, noch als Papſt abgehalten, wichtige Aufgaben, die er übernommen hatte, zu erledigen. Freilich hieß ihn meiſt, wie er ſelbſt zugab,„das Trachten nach den Ehren der Welt und nach dem Lobe der Menſchen“ unermüdlich ausharren.
Mehr noch als ſeine erotiſchen Schriften, ſeine Apoſtaſie und ſeine Schmeichelkünſte haben ſeine Zeitgenoſſen ihm die Pfründenjagd verargt, die er von Jugend auf mit Ausdauer und Geſchicklichkeit für ſich und feine Freunde betrieben hat.