Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
648
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Durch Kampf zum Frieden.

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Mit bewunderswerter Geſchicklichkeit und Skrupelloſig­keit verſtand er es, ſich in einem Lande, deſſen Sitten ihm bar­bariſch dünkten, deſſen Klima ihm nicht zuſagte, in dem er als Fremdling und Glücksjäger verdächtig war,) eine hervor­ragende Stellung zu verſchaffen.

Es iſt früher geſchildert worden, welchen regen Anteil er als Rat des römiſchen Königs daran genommen hat, das Reich zur Verzichtleiſtung auf die Neutralität zu bewegen; wahrlich nicht mit leeren Händen kam er nach Rom, als er den Papſt um Vergebung ſeiner früheren Irrtümer bat.

Als Vierzigjähriger empfing er die Prieſterweihen und wenige Wochen ſpäter brachten ihm ſeine Verdienſte um Rom den Trieſter Biſchofsſtab.

Mit gleichem Eifer diente er von nun an der Kurie und dem Kaiſer; er wußte die früher jo auseinanderſtrebenden In­tereſſen zu einer ſeit Jahrhunderten nicht mehr gekannten Har­monie zu einen.

Sein unermüdliches, und erfolgreiches Wirken brachte ihm nacheinander das Bistum Siena, den Kardinalat und ſchließlich die höchſte kirchliche Würde. Aus dem Aeneas Sil­vius wurde Papſt Pius II.Alii ad diadema, alii ad jugum, nascuntur hatte er lange, ehe an ſeine Erhebung zu denken war, an den Kardinal Carvajal geſchrieben.)

Die Briefe des Aeneas Silvius beweiſen, ebenſo wie ſeine Laufbahn, welch zäher Streber er war. Doch fehlte ihm völlig. die Rückſichtloſigkeit gegen Gleichgeſtellte, die Brutalität gegen Untergeordnete, die ſonſt die Streber ſo verhaßt machen.

Der Menſch, der ſich um eine Stellung bewirbt, iſt meiſt ein ganz anderer, als der gleiche Menſch nach Erhalt der Stel­

) Wolkan, Der Briefwechſel des Aeneas Silvius Piccolomini, Fontes rer. austr. LXI, S, 453-487, 502.

) Cugnoni, Opera inedita, S. 431. Die übrigen Zitate meist bei Voigt, Enea Silvio.}