Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
652
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652 Durch Kampf zum Frieden.

zu treten, ſolange er fühlte, daß er das Gebot der Keuſchheit nicht zu halten vermöchte. Nicht viele ſind damals durch ſolche Bedenken von den Prieſterweihen fern gehalten worden) und haben das Müdewerden ihrer Begierden er­wartet.

Eine andere menſchlich ſchöne Eigenſchaft des Aeneas Silvius war ſeine Freundſchaftstreue. Er hat ſeinem Freunde und Wohltäter dem Kanzler Kaſpar Schlick auch nach deſſen Sturze die Treue bewahrt; er hat das ſeinem Ehrgeize und ſeinem Tätigkeitsdrange ſo ſchwere Opfer ge­bracht, ſich freiwillig vom Hofe zu verbannen, anſtatt zu verſuchen, die Gunſt der neuen Machthaber zu gewinnen.)

Als Biſchof von Siena ließ er trotz des entſchiedenen Widerſtandes und aller Drohungen der Signoria ſeinen alten Freund den wackeren Schwaben Michel von Pfullendorf mit großer Pracht im Dome beiſetzen.

Auch als Papſt hat er es nicht über ſich gebracht, in der ungariſchen Sache für Mathias gegen ſeinen Wohltäter

König Friedrich Partei zu nehmen, ſo ſehr das Intereſſe der Kirche eine entſchiedene Stellungnahme verlangt hätte.)

1) Der Biſchof v. Lübeck, Johannes Scheele, ſagte damals auf dem Baſeler Konzil,es wäre heilig und klug, das Zölibat, durch das viele Tauſende von Seelen ſcharenweiſe der ewigen Verdammnis zugetrieben würden, aufzuheben. Vgl. Johannes Haller, Korreſp.⸗Bl. der Geſ.⸗Vereins d. Geſch. u. Altertumsvereine, 1910.

2) Hufnagel, Caſpar Schlick uſw. a. a. O., S. 424. Wie häufig geht Voigt, Aeneas Silvius, I, S. 437 in feinem Mißtrauen gegen die Motive des Aeneas zu weit. Aeneas hat Schlick ſtets ein treues Andenken bewahrt und ſich auch nach Schlicks Tode ſeinen Geg­nern nicht genähert. Es wirkt direkt ungerecht, wenn Voigt von einer Rede erzählt, die Aeneas für den Kanzler verfaßt und die dieſer als eigene gehalten hatte. Aeneas ſendet dieſe Rede an Campiſio, ohne wie ſelbſtverſtändlich, ſeine Autorſchaft zu erwähnen, und bittet um deſſen Urteil. Dazu bemerkt Voigt, I. S. 319,nur um das beifällige Urteil Campiſios ganz als ein unbefangenes genießen zu können, ver­leugnete der eitle Mann ſeine Autorſchaft uſw. uſw.

3) Hefele, Konziliengeſchichte, VIII, S. 106 107.