Durch Kampf zum Frieden. 653
Wie Schlacken vom Edelmetall, ſo fielen damals Strebertum und Gewinnſucht von ſeinem Charakter ab.
In Pius II. lebte nur der ſchöne Ehrgeiz als einer der beſten und opferfreudigſten Päpſte im Gedenken der Nachwelt fortzuleben.
Er erblickte die ihm von Gott geſtellte Aufgabe darin, die chriſtlichen Völker gegen die furchtbare Türkengefahr zu einen; er war bereit, ſein Leben für dieſes Werk zu opfern. Freilich war ſein Charakter zu undiszipliniert, ſeine Intereſſen zu vielſeitig, als daß er ganz in dieſem Werke hätte aufgehen können, aber nur ein übertriebenes Mißtrauen kann zweifeln, daß allein der Tod ihn gehindert hat, den begonnenen Feldzug gegen die Ungläubigen zu Ende zu führen.
Immerhin laſtet auch auf ſeinem Pontifikate mancher berechtigte Vorwurf.
Gerade die Eigenſchaft, die den Laien Aeneas vor allem geehrt hat, ſeine treue Anhänglichkeit an Freunde und Verwandte wurde beim Papſte Pius ein Argernis. Der Papſt gehört der Welt, nicht einem Städtchen oder ſeinen Verwandten und Freunden; ſeine Gnaden gewährt er nicht aus Eigenem, ſondern aus Anvertrautem.
Des Papſtes Lokalpatriotismus für Siena, der Nepotismus, der ſich während ſeines Pontifikates breit machte, ſind mit Recht getadelt worden.
In Pius war der Piccolomini allzu mächtig.
Aber ſeine faſt übertriebene Anhänglichkeit an Heimat und Familie!) ſtört doch kaum das unendlich ſympathiſche Bild, das ſein Privatleben bildet. Fremd war ihm jede
1) Bei dem Kapitel„Nepotismus“ iſt in dieſer Zeit wenigſtens ſtets berückſichtigend in Betracht zu ziehen, daß die Päpſte gezwungen waren, ſich an ihnen durchaus ergebenen Perſonen einen Rückhalt gegen die drohende Übermacht der Geſchlechter zu ſchaffen, die im Kirchenſtaate ihr Unweſen trieben. Vgl. Röhrbacher⸗Knöpfler, Univerſal⸗Geſchichte der katholiſchen Kirche, Bd. XXIII, S. 207.