Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
700
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700 Durch Kampf zum Frieden.

Die Vergleichsverhandlungen ſchritten nicht allzu raſch vorwärts. Die Böhmen forderten, der Legat ſolle mit eigenen Augen ſich überzeugen, daß ihre Lehre von den durch Chriſtus geoffenbarten Wahrheiten nicht abweiche und darnach die Com­paktaten, ſowie ihren neu gewählten Erzbiſchof Rokyzana be­ſtätigen.

Cuſa weigerte ſich, ſeinen Fuß auf die böhmiſche Ketzer­erde zu ſetzen, bevor ſeine Bewohner nicht ihre Bereitwilligkeit bewieſen hätten, ſich bedingungslos den Geboten der Kirche zu unterwerfen.)

Es gelang ſchließlich den eifrigen Bemühungen Albrechts und Herzog Ludwigs, die Böhmen zu bewegen, als nächſten Ort der Zuſammenkunft nicht Prag , ſondern die katholiſche Grenzſtadt Eger anzunehmen. Cuſa jedoch erklärte, den zum 16. Oktober ausgeſchriebenen Tag:) nur beſuchen zu wollen, wenn er vom Papſte dazu ausdrücklich Erlaubnis erhalten hätte.

Bald ſchien dem Kardinal ſchon dieſe Zuſage wie eine

würdeloſe Nachgiebigkeit; ohne die Regensburger Verabredun­gen irgendwie zu beachten, ſandte er er einen Prieſter mit einem Schreiben nach Böhmen , in dem er verlangte, das Land ſollte, bevor er es betrete, ſich den Satzungen der Kirche unter­werfen. An die katholiſchen Stände Böhmens ſchickte der Kar­dinal Abſchriften dieſes Schreibens.)

Erzürnt weigerte Podiebrad dem Beauftragten des Kar­dinals den Zutritt zum Landtage, auf dem offen ausgeſprochen wurde, daß ein Verhandeln mit der Kurie überhaupt unmöglich wäre.Was ſie mit der Geiſtlichkeit teydingen, das werde ihnen

1) Palacky, a. a. O., IVa, S. 294.

2) Fontes, rer. aust. XX, 2, S. 4849. Bachmann, Geſch. Böhmens II, S. 429.

) Nürnberger Kr.⸗A., Ansbacher Kriegsakten, Fasc. 2, S. 12, Prod. 24. 5