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er seiner Rachesucht Genüge thun. Indessen spürte man bereits das Herannahen einer neuen Zeit, Die Juden Hessen sich nicht geduldig die Wegnahme ihre Bücher gefallen, sie protestirten vielmehr kräftig bei dem Kaiser und auch bei dem Papst Alexander VI., der einen jüdischen Leibarzt hatte, und Pfefferkorn sah sich in seiner Thätigkeit gestört. Es traten alsbald in Deutschland wichtigere Ereignisse ein; das Interesse iür den Kampf um den Talmud hörte fast gänzlich auf.
Von nachhaltigen, unheilvollen Folgen war die Feindschaft des Papstes Julius III. gegen den Talmud. Drei jüdische Renegaten (unter ihnen Salomo Romano, Enkelsohn des berümten jüdischen Grammatikers Elia Levita) denuncirten den Talmud bei dem genannten Oberhaupt der katho- Hschen Kirche. Der Talmud, sagten sie, enthalte Lästerungen des Christenthums und Blasphemien aller Art. Julius III. gab dieser Denunciation Folge und erliess am 12. August 1553 einen strengen Befehl, den Juden in Italien sämmtliche talmudischen und agadischen Bücher (also auch die Midrasch- Sammlungen) abzunehmen und zu verbrennen. Dieser Befehl wurde mit grosser Strenge durch- gefürt. Am jüdischen Neujahrstag 5314 a. m. (9. September 1553) wurden die konfiscirten Talmudexemplare und agadischen Schriften in Rom öffentlich verbrannt. Dasselbe geschah bald darauf auch in der ganzen Romagna, die damals unter päpsthcher Herrschaft stand, ferner in Ferrara, Mantua, Venedig, Padua und auf der Insel Kandia, die zu Venedig gehörte. Es sind in jenen Tagen mehrere Hunderttausende von Büchern talmudischen oder agadischen Inhalts den Flammen überliefert worden. Es schien anfangs.