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solcher, die bereits die päpstliche Censur passirt haben, sollte einer harten Strafe verfallen. Dieser Befehl wurde von der Inquisition mit aller Strenge durchgeführt.
Indessen konnten all diese talmudfeindlichen Massregeln von keinem dauernden Erfolg sein, weil es die Juden immer verstanden hatten, sie durch grosse Geldopfer nach einiger Zeit rückgängig zu machen. Die Hauptsache war damals stets, sich gehörigen Ortes freigebig zu zeigen. Wie die Juden selbst in den meisten europäischen Staaten oft vertrieben und wiederum zugelassen wurden, weil sie durch reichliche Mittel die Wiederaufnahme in den Staat zu erlangen verstanden, so wussten sie auch in den meisten Fällen, das ihrem religiösen Schrittthum drohende Unheil abzuwenden. Der Talmud wurde trotz allen Grimms der christlichen Feinde und der rachsüchtigen jüdischen Ueberläufer neu aufgelegt und in hunderttausenden von Exemplaren verbreitet. Oft waren christliche Buchdrucker die Verleger dieses so gut absetzbaren Werkes. Christen waren auch eher in der Lage, schützende Privilegien, zu erlangen, wodurch sie sich gegen behördliche Belästigung und auch gegen Nachdruck sichern konnten.
Der letzte grosse „Talmudprozess“ fand im Jahre 1757 in Kaminiec (Podolien) vor dem Bischof Dombowski statt, der am 14. Oktober desselben Jahres den Befehl erliess, alle Talmudexemplare im Bislhum Podolien zu konfisciren und durch Henkershand öffentlich dem Feuer zn überliefern. Dies geschah auch. Tausende von Talmudexemplaren wurden nach der Stadt zusammengeschleppt, dort in eine Grube geworfen und verbrannt. Auch