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Der Talmud : sein Wesen, seine Bedeutung und seine Geschichte / dargestellt von Dr. S. Bernfeld
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im Erzbisthum Lemberg wurde dem Talmud der Krieg erklärt. Dies geschah damals auf Anregung einer neuen jüdischen Sekte, derFrankisten, die sich feindlich zu den rabbinischen Juden ge­stellt hatten; freilich wurden sie zuerst von diesen durch harte Verfolgungen im höchsten Grade ge­reizt und erbittert. Glücklicher Weise hörte die Verfolgung gegen den Talmud bald auf, da Bischof Dombowski schon am 17. November 1757 starb und sein Nachfolger keineswegs seine talmudfeind­lichen Anschauungen theilte.

Ausser diesen Massregeln gegen den Talmud wurde dieser auch sonst oft genug aufs Heftigste angefeindet.

Von den Angriffen seitens der Karaiten auf den Talmud ist bereits die Rede gewesen. Indessen wäre es ungerecht, diese principielle Gegnerschaft auf eine Stufe mit den racheschnaubenden Denunciationen jüdischer Täuflinge oder auch mit den auf Unkenntniss und Böswilligkeit be­ruhenden Anschuldigungen christlicher Judenfeinde auf eine Stufe zu stellen. Wenigstens ist es nicht bekannt, dass sich die Karaiten im Kampf gegen den Talmud anderer als litterarischer Waffen bedient oder gar die Hilfe der An­dersgläubigen angerufen hätten. Solches ge­schah wohl zum ersten mal in Frankreich, als Nikolaus Donin (oder Dounin) vor dem Papst Gregor IX. Anklage gegen den Talmud erhob. Donin, ein talmudkundiger Jude aus La Rochelle, erlaubte sich eine, von den Meinungen der Rabbiner abweichende Ansicht über die mündliche Lehre zu äussern, wofür er hart verfolgt wurde. Er ging zum Christenthum über und trat vor den genannten Papst mit Anklagen gegen das