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Der Talmud : sein Wesen, seine Bedeutung und seine Geschichte / dargestellt von Dr. S. Bernfeld
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rabbinische Judenthum auf. Der Talmud lehre, nach seiner Denunciation, viel Unwürdiges und enthalte besonders in den agadischen Stellen gotteslästerliche Aeusserungen. Gregor schenkte diesen Anschuldigungen Glauben und erliess sofort Handschreiben an die Kirchenfürsten von Frank­reich, England, Castilien, Aragonien und Portugal mit dem strikten Befehl, überall den Talmud zu konfisciren und zu verbrennen. Die Könige der genannten Länder bat er, die geistlichen Behörden bei diesem Beginnen hilfreich zu unterstützen (1239). Indessen fand der Befehl Gregors nur in Frank­reich Beachtung, wo König Ludwig IX. auf alle Talmudexemplare fahnden Hess und ein be­sonderes Tribunal zur Untersuchung der von Donin erhobenen Beschuldigungen einsetzte. Am 24. Juni 1240 fand vor dem königlichen Hof zu Paris eine Rehgionsdisputation in Gegenwart der Königin-Mutter Blanche statt. Die Diskussion drehte sich um den Punkt, ob der Talmud gotteslästerliche Aeusserungen und sonstige das sitthche Gefühl verletzende Stellen enthalte und Jesum Christum schmähe. Die Einzelnheiten dieser Disputation sind eigentlich unbekannt; nur soviel weiss man, dass der Talmud im Juni 1243 in Paris öffentlich verbrannt wurde. Ganze Wagenladungen von Talmudexemplaren sollen damals zum Scheiterhaufen geschleppt worden sein.

Bedeutender war die Disputation, die am 20.23. Juli 1263 in Barcelona vor dem König Jakob I. von Aragonien stattfand. Als Ankläger gegen das Judenthum trat der Dominikaner Pablo Christiani (ein getanfter Jude) auf, der wiederum behauptete, der Talmud enthalte Beweise für die Messianität Jesu, die aber die Rabbiner absichtlich