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verheimlichen. Als Vertreter der Juden nahm an dieser Disputation der als Religonsphilosoph, Exeget und Talmudlehrer gleich berühmte Mose b. Nachm an (Nachmanides) theil. Das würdevolle Auftreten des gefeierten jüdischen Gelehrten rechtfertigt in keinem Punkt die ebenso witzige wie boshafte Schilderung, die Heine in seinem bekannten Gedichte „Disputation“ von diesem geistigen Tournier zu geben für gut fand. Auch durfte die Königin keineswegs, wie ihr Heine in den Mund legt, äussern, es wolle sie „schier bedünken, dass der Rabbi und der Mönch, dass sie alle Beide stinken“. König Jakob I. von Aragonien bekam manche Wahrheit zu hören und wurde zu der für Nachmanides gewiss nur schmeichelhaften Anerkennung hingerissen, er habe noch niemals eine „schlechte Sache“ so geistvoll vertheidigen gehört. Er bewilligte dem jüdischen Philosophen eine Privataudienz zum Abschied und beschenkte ihn reichlich. Bei Gelegenhei- dieser Disputation hat Nachmanides den oben(S.54) erwähnten Ausspnich gethan, die Agada habe für die Juden keine religionsgesetzliche Bedeutung.
Antitalmudische Anklagen erhob auch der jüdische Renegat Josua Lorqui, oder wie er seit dem Uebertritt zum Christenthum hiess, Geronimo de Santa Fe, vor dem schismatischen Papst Benediktus XIII., dessen Leibarzt er war. Er behauptete, der Talmud beweise die Messianität Jesu, andererseits warf er demselben Talmud vor, er lehre Aberglauben, Gotteslästerung und Feindseligkeit gegen die Christen. Der Papst gewann den König Ferdinand von Aragonien für den Plan, in T "tosa eine Disputation zwischen Juden und Christen zu veranstalten. Diese Disputation