Druckschrift 
Der Talmud : sein Wesen, seine Bedeutung und seine Geschichte / dargestellt von Dr. S. Bernfeld
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen

114

giftigen Pfeile gegen die Juden und das Juden­tum geholt.

Von jüdischer Seite beging man in früherer Zeit den Fehler, alles verteidigen zu wollen, statt zuzugeben, dass in der talmudischen Littera- tur sich auch mancher Ausspruch befindet, der besser hätte unterbleiben sollen, oder dass sich manche gehässige Redensart im Talmud aus den damaligen Beziehungen der Juden zu der nicht­jüdischen Welt erklärt. Man wollte aber das Ganze mitHaut und Haar retten und verdarb natürlich alles. Das beste Mittel, den Talmud zu rehabilitiren, wäre freilich, ihn zu erschliessen. Solche Versuche sind auch bereits gemacht worden.

Abgesehen von der polemischen und apole- getischen Litteratur finden wir schon in ziemlich früher Zeit Versuche, die nichtjüdische Welt durch eine Uebersetzung des Talmuds mit diesem bekannt zu machen. In der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts übersetzte R. Joseph b. Isak Ibn- Abitur in Cordova mehrere Talmudtraktate ins Arabische, die er dem kunstsinnigen und humanen Khalifen Alhakim vorlegte. Von dem maimoni- dischen Mischna-Kommentar in arabischer Sprache war bereits oben (S. 96) die Rede, indessen war dieser nicht für Araber, sondern für arabisch re­dende Juden bestimmt, weshalb er mit hebräischen Lettern geschrieben wurde. Für nichtjüdische Leser war die lateinische Mischna-Uebersetzung bestimmt, die der gelehrte Orientalist G. Suren- husius anfertigte, sie ist in Amsterdam (1698-1701) in sechs Foliobänden gedruckt worden. Diese Uebersetzung umfasst auch den maimonidischen Kommentar, sowie den vortrefflichen Kommentar von Obadja di Bertinuro. Ins Deutsche wurde