117
seiner Vollendung entgegen. Auch in der äussern Ausstattung und Korrekheit wird diese Ausgabe alle früheren bei Weitem übertreffen.
Wir können unsere Darstellung, bei der wir ehrlich bestrebt waren, uns von jeder Voreingenommenheit freizuhalten, nur mit dem Wunsch schliessen, dass das eben begonnene zwanzigste Jahrhundert uns eine gerechte, streng wissenschaftliche Behandlung des ganzen Talmuds, d. h. dessen Erforschung bringen möge. Der Talmud enthält ungemein viel Wissenswerthes auf jedem Gebiete des menschlichen Wissens, namentlich aber für die Rechtslehre, die socialpolitische Gesetzgebung, das Armen- und Familienrecht, und es ist sehr zu bedauern, dass das landläufige Vorurtheil gegen dieses Riesenwerk dessen wissenschaftliche Erschliessung bisher verzögert hat. Der Talmud sollte weder angefeindet noch vertheidigt, — sondern nur verstanden werden. Bei einer solchen Behandlung werden alle Parteien gewinnen, abgesehen davon, dass die Wissenschaft in Wahrheit über alle Parteien stehen müsste, keinem Zweck dienen, vielmehr nur sich selbst zum Zweck haben soll.
Abgesehen von verschiedenen Vorarbeiten, die alle den Zweck verfolgen, des talmudischen Idioms nichtkundige Leser mit dem Inhalt des Talmuds oder eines Theiles desselben bekannt zu machen, und von denen manche hier bereits erwähnt wurden, verdienen insbesondere die Bemühungen Strack’s und Emil Schürer’s anerkennende Erwähnung. Stracks „Einleitung in den Talmud“ ist eine fleissige und mit wissenschaftlicher Sachlichkeit durchgeführte Arbeit, die dem Anfänger, der den Talmud studiren will, gute Dienste leistet. Emil