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Der Talmud : sein Wesen, seine Bedeutung und seine Geschichte / dargestellt von Dr. S. Bernfeld
Entstehung
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Schürer hat in seinem grossangelegten Buche:Ge­schichte des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu Christi wohl nicht die ganze talmudische Litteratur, aber deren erste Quellen mit einer wohlthuenden Ob­jektivität behandelt, von der nur zu wünschen wäre, dass sie Schule machte und Nachahmung fände. An Gründlichkeit lässt die Schürersche Arbeit, die auch sonst eine vorzüglich gelungene ist, nichts zu wünschen übrig.

In dem Geistes- und Kulturleben der Juden- heit hat diemündliche Lehre, deren Entstehung und Entwickelung wir hier kennen gelernt haben, eine bedeutende Rolle gespielt. Es wäre un­richtig, behaupten zu wollen, dass das nachbiblische Judenthum nur auf dem Talmud beruhe; so ein­seitig hat es sich doch nicht entwickelt, und zu verschiedenen Zeiten hat es in ihm Erscheinungen gegeben, die nicht nur dem Talmud fremd blieben, sondern züweilen ihn sogar sehr heftig bekämpften. In so gerader Linie ist eben die Entwickelung des Judenthums seit der Rückkehr des jüdi­schen Volkes aus dem babylonischen Exil nicht vor sich gegangen, wie gemeinhin angenommen wird. Nichtsdestoweniger ist die talmudische Litteratur das Wesentliche in der jüdischen Kultur­geschichte, und bei der Bedeutung Israels und des Judenthums in der Geschichte wird man sich zu einer genauen, wissenschaftlichen und unbefan­genen Erforschung des Talmuds entschliessen müssen, w r ill man sich nicht mit einem absprechen­den Urtheil zufrieden geben, das nicht Gerechtig­keit und Wahrheitsliebe, sondern Hass und Partei­leidenschaft diktiren. Es ist freilich schwer Un­befangenheit und Unparteilichkeit zu predigen, wo auf beiden Seiten das Gegentheil fast zur zweiten