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Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
Seite
119
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zunächst auf Reisen. Noch einmal in dem deutlichen Vorgefühl, dies sei nun der Abschied für immer, besuchte er die Stätten seiner Kindheit, die Baseler Freunde und die geliebte Tochter. Dann kehrte er in die schöne Bel-Etage der Brüderstraße zurück. Und hier im dankbaren Rückblick auf die Schicksalswege seines Lebens, von denen er gern mündlich und zuletzt auch schriftlich den Kindern Kunde gab, verlebte er noch sechs Jahre in einem ruhigen Altersidyll.

Um ihn herum formte fich allmählich neu, was er in feste Bahnen ge­leitet hatte. Der Sohn kaufte 1794 in der Wilhelmstraße 75 das palast­artige Haus des Herzogs Friedrich August von Braunschweig-Oels und verlegte dahin, wo genügend Raum war, sich auszubreiten, Geschäft und Wohnung. Hier hat die Oberhofbuchdruckerei namentlich unter dem Enkel Rudolph Decker (1804-1877) ihre höchste Blütezeit erlebt, bis sie in den Besitz des Reiches überging und mit der preußischen Staatsdruckerei ver­einigt, in der Reichsdruckerei wieder auflebte. Der Verlag spaltete sich ab und besteht noch heute, von vornehm konservativen Traditionen geleitet.

Georg Jakob Deckers Persönlichkeit ist mehrfach im Bilde, am besten von Anton Grass festgehalten worden. Dies Porträt entstand bei einem der Aufenthalte Deckers in der Schweizer Heimat. Es befindet sich mit anderen Familienbildnissen bei dem Erben, Herrn Grafen von Rothkirch- Trach, auf Schloß Bobersbach bei Eichberg in Schlesien.

Das Haus Brüderstraße 29 ging schon 1 795 in andere Hände über- War es unter dem alten Decker eine Pflegestätte für Musik und Dichtung gewesen, so dauerte es nicht lange, bis der neue Besitzer die bildende Kunst darin heimisch machte. Das zweite Kapitel dieser Hausgeschichte wendet sich von den Bewohnern weg mehr dem künstlerischen Schmuck des Hauses zu.