Druckschrift 
Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen

Nöte und Sorgen des Befreiungskampfes wohl die schlimmste Zeit der Selbstverwaltung darstellten. Seiten über Seiten findet man in den Akten mit seiner sauberen zierlichen Handschrift bedeckt; dem ruhig überlegten und nach bestem Gewissen über den Parteien stehenden Mann blieben Miß­helligkeiten im Schoße des Kollegiums nicht erspart. Aber freundlichem Zuspruch stets zugängig, söhnte er sich schnell aus und genoß dafür auch manche Genugtuung. So gehörte er der Abordnung an, die nach der Schlacht bei Dennewitz (6. Sept. 1813) in das Hauptquartier Bernadottes nach Zerbst reiste, vorgeblich um dem schwedischen Kronprinzen für die Rettung Berlins (die, wie man weiß, nicht sein, sondern Bülows Werk war) zu danken, in Wahrheit aber, um die Entlastung der Einwohner von der drückenden Schanzarbeit zu erwirken. Seine öffentlichen Verdienste wurden im Jahre 1816 durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes am weißen Bande anerkannt, und als er im August 1819 mit Rücksicht auf seine Jahre und die Last der häuslichen Geschäfte seine Wiederwahl als Vorsteher ablehnte, beschlossen seine Kollegen einstimmig, sein Bildnis in Hl malen und in ihrem Versammlungssaal aufstellen zu lassen. Das Ge­mälde hat die verschiedenen Umzüge der Stadtverordnetenversammlung aus der alten Börse im Lustgarten in das köllnische Rathaus und von da in Waesemanns Monumentalbau mitgemacht und hält noch heute im Berliner Rathaus das Andenken Jean Paul Humberts in wohlverdienten Ehren.

Es ist eine treffliche Arbeit des Hofmalers Friedrich Georg Weitsch, dessen Bildnisse, mit leichter Hand gemalt, wenn sie ihm glückten, die Höhe der Meisterschaft erreichen. Ein Modell wie Jean Paul Humbert mit seinem kraushaarigen französischen Raffekopf und dem Ausdruck von Jovialität und Herzensgüte muß ihm besonders gelegen haben. Er stellte ihn am Schreibtisch, in vornehmem Schwarz, mit Kniehosen, weißem Jabot und dem Orden im Knopfloch, auf seinem samtenen Lehnsessel beweglich und in einem Gemisch von Anmut und Würde dar, womit er ihn äußerlich wie auch nach seinem Charakter vorzüglich traf. Denn so, umspielt von der

122