Druckschrift 
Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen

Laufbahn des Großvaters, der Mitglied des Obertribunals in Berlin ge­wesen war, bestimmten seinen Beruf. Er widmete sich der Seidenfabrikation^ die damals am Ausgang der Regierung Friedrich II. glänzende geschäftliche Aussichten bot. Der Eifer und die landesväterliche Sorge, die der große König, den Fußstapfen seines Vaters folgend, auf den Seidenanbau unb die Seidenfabrikation verwandt hatte, fingen an, die lang erhofften Früchte zu zeitigen. Nicolai berichtet, daß Ende 1782 von 56 Manufakturisten 1083 Stühle im Gange gewesen seien, und daß sich der Wert des ver­fertigten Samtes und der seidenen Zeuge bereits auf mehr als eine Million Taler belaufen habe. Wie es französische Handwerker gewesen waren, die auf den Ruf des Königs die Seidenindustrie in Berlin eingeführt und in die Höhe gebracht hatten, so finden wir unter den Manufakturisten auch meist französische Namen; den Ertrag und die Ausbeutung dieses Handels­zweiges teilten sie mit geschäftstüchtigen Juden. Man erinnert sich, daß Moses Mendelssohn in seinem bürgerlichen Beruf Buchhalter in der Bernhardschen Seidenwarenfabrik gewesen ist.

In kurzer Zeit gelang es Jean Paul Humbert neben seinen geschäft­lichen Erfolgen auch das Vertrauen seiner Mitbürger zu gewinnen. Inner­halb der französischen Kolonie bekleidete er verschiedene Ehrenämter, und als 1809 infolge der neu eingeführten Städteordnung die Bürgerschaft aus ihrer Mitte zum erstenmal die Stadtverordnetenvertretung aufstellte, ging er nicht nur mit ansehnlicher Stimmenmehrheit als der Erwählte seines Brüderstraßenbezirks hervor, sondern wurde sogleich zum Stellvertreter des Stadtverordnetenvorstehers v. Gerlach ausersehen. Schon nach wenigen Monaten rückte er an v. Gerlachs Stelle, der inzwischen den Oberbürger­meisterposten erhalten hatte.

Zehn Jahre lang, von 1809 - 1819 , hat Jean Paul Humbert ehrenamtlich diese hervorragende Stelle kommunaler Wirksamkeit verwaltet. Und es war keine leichte Aufgabe gerade in diesen Jahren, die durch die drückende Schuldenlast des Stadtwesens im Zwange der Fremdherschaft, durch die

121