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Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
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heiteren Rokokograzie einer lebenslustigen Nation, der er von Geburts wegen angehörte, lebt er fort in der Erinnerung der Enkel. Immer guter Laune, daheim wie im Geschäft vor sich hinsingend, über seine Jahre hinaus gut konserviert, schien das Leben ihm nichts anhaben zu können, wenn es ihn auch manchmal unsanft schüttelte. Sein Hauswesen erlitt 1812 durch den Tod seiner Gattin eine schmerzliche Störung; von den acht Kindern, die sie ihm geschenkt hatte, waren sechs noch am Leben, der älteste Sohn Eduard bereitete sich in Augsburg auf den kaufmännischen Beruf vor. Für die mutterlose Kinderschar trat eine Schwester des Vaters ein, die mit ihrem heiteren Wesen vorzüglich zu dem Bruder stimmte. Erst 1816 ging Jean Paul Humbert eine neue Ehe ein, der noch vier Kinder ent- sproßten.

Aber weder die Witwer- noch die Kriegsjahre drückten seinen Frohsinn dauernd nieder. Er blieb, was er von jeher gewesen, ein heiterer, geselliger Mann, dessen Erholung und Freude es war, das Haus voller Gäste zu sehen. In diesen Jahren 18131814 faßte er den Entschluß, sich etwas prächtiger und geräumiger einzurichten. Es ist müßig, da keine Nachrichten darüber vorliegen, Vermutungen aufzustellen, was ihn wohl veranlaßt haben könnte, gerade in politisch und wirtschaftlich so schwierigen Zeiten ein immer­hin recht kostspieliges Unternehmen auszuführen; die einfachste Erklärung bietet seine Natur mit ihrer Freude an Geselligkeit und wahrscheinlich die für seine Geschäfte günstige Kriegskonjunktur. Wie Abraham Mendelssohn nach Zelters Worten scheint auch erin den Zeiten der allgemeinen Not ohne Schaden an seiner Seele reich geworden" zu sein.

Was ihm.vorschwebte, war einSaal", wie er in angesehenen Bürger­häusern wohl der gesellschaftlichen Repräsentation, doch nicht, gleich der später in Verruf gekommenenkalten Pracht", ausschließlich dieser diente. Beispiele solcher Art gab es in dem alten Berlin wenn nicht häufig, so doch zahlreicher, als man nach den wenigen, die sich erhalten haben, mutmaßen darf. Das glänzendste von allen hat sich durch die Pietät seiner letzten

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