Besitzer zum Glück bis in die Gegenwart gerettet. Es ist das kürzlich von der Stadt Berlin gekaufte, früher Ermelersche Haus, Breitestraße 11, hinter dessen klassizistischer Fassade sich eine Flucht reizvollster Jnnenräume im Geschmack des leise verzopften Rokoko aus der Zeit nach dem Siebenjährigen Kriege verbirgt. Stukkateure, Tischler und Schlosser, das ganze hochentwickelte Handwerk jener Tage, schufen den Rahmen für die Malerei, der die Hauptaufgabe zugefallen ist. Karl Friedrich Fechhelm der Ältere (1723—1785), ein Schüler des Theatermalers Galli Bibbiena, belebte, von geschickten Gehilfen unterstützt, die Wände mit sonnigen Hirtenidyllen, weiträumigen Hafenansichten und stimmungsvollen Phantasien römischer Ruinenromantik. Das Glanzstück der Ausstattung.war auch hier der große dreifenstrige, in der Mitte des ersten Stockwerks gelegene Saal. Der Gründer dieses bei allem Aufwand immer noch in den Grenzen bürgerlichen Behagens gehaltenen Heimes, der Armeelieferant für Leder und Monturen Herr Peter Friedrich Damm, hatte damals, 1813, längst das Zeitliche gesegnet, sein Nachbesitzer aber, der Tabakfabrikant Johann Heinrich Neumann, alles in seinem alten Zustand erhalten. Dies Vorbild mochte Jean Paul Humbert im Sinn haben, als er nun Anstalten traf, auch sein Haus mit einem solchen Saal zu verschönen.
Bei den beengten Räumlichkeiten mußte freilich dieser Saal erst geschaffen werden. Er entstand durch Fortnahme einer Wand zwischen den beiden längs der Nordseite des Hauses gelegenen Zimmern. Architektonisch war der damit gewonnene elf Meter tiefe, aber nur zwei Fensterachsen der Vorderfront einnehmende Raum kein sonderlich glückliches Gebilde, auch nicht in der Belichtung, die er von den beiden Straßenfenstern und von einem nach dem schmalen Hof hinausgehenden erhielt. Immerhin war ein Raum geschaffen, der Anspruch machen konnte auf die Bezeichnung Saal, und dessen etwas willkürliche Entstehung nur die beiden rechts und links in der Mitte vorspringenden Wandträger verrieten, die der Stabilität wegen nicht herausgenommen werden durften. Zur Dekoration mit größeren
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