Gemälden bot sich die lange Nordwand dar, während die übrigen Wände, durch Fenster, Türen und den Ofen zerstückt, nur für schmalere Gemälde Platz ließen.
Die Wahl des Künstlers konnte nicht zweifelhaft sein. Schon seit Jahren hatte Schinkel mit seinen dekorativen Malereien Aufmerksamkeit und Bewunderung erregt. Die Ausstellung der für seinen Freund, den Architekten Steinmeyer, ausgeführten perspektivisch-optischen Gemälde, die er im Dezember 1809 im Königlichen Marstall in der Breitenstraße veranstaltet hatte, trug ihm die Gunst des Herrscherpaares ein, und Königin Luise ließ ihn mit der Ausschmückung einiger Zimmer im Schloße betrauen. Seither stand sein Ruhm fest, wobei es freilich sein Schicksal wollte, daß der Maler Schinkel den Architekten vorerst noch verdunkelte.
Die Ungunst der Zeitverhältnisse hatte Schinkel nach den ersten Anfängen selbständiger baukünstlerischer Tätigkeit zur Malerei flüchten lassen. In dem Jahrzent 1805—1815 entstand jene große Anzahl von Gemälden, mit denen Schinkel für die ausbleibenden baukünstlerischen Aufträge sich entschädigte. Durchweg sind es komponierte Landschaften mit reicher Staffage, Erinnerungen an die Herrlichkeiten italienischer Gegenden, Träume eines architektonischen Geistersehers, die phantastisch aufsteigend aus dem Grunde einer reichen Gemüts- und Geistesbildung Antike und Mittelalter in romantischer Verklärung widerspiegeln. Die größten Erfolge errang Schinkel mit seinen optisch perspektivischen Bildern mit beweglicher Staffage, die das Publikum in die Gropiusschen Weihnachtsausstellungen lockten. Nachdem er schon früher die Hauptstätten italienischer Stadtbaukunst, Palermo, Pisa, Venedig, Rom, gezeigt hatte, ließ er 1812 die sieben Weltwunder folgen. So schuf er allmählich eine Art künstlerischen Weltpanoramas, an dem Wirklichkeit und Phantasie geschäftig ineinander gearbeitet hatten. Bei ihrer flotten Ausführung mit Leimfarben auf Tapetenpapier war ihm der junge Karl Gropius zur Hand gegangen. Theatermäßig, wie ihre
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