Druckschrift 
Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen

empfand. Die Vedute, die Lütke nie ganz überwunden hat, ist bei Schinkel von Anfang an ausgeschaltet. Für Schinkel hatte die Landschaft wenig Reiz, wenn sie nur das Bild eines befriedigt und still in sich ruhenden Daseins bot. Er war bestrebt, sie umzuschaffen zu einem Denkmal mensch­licher Kulturarbeit.Reine Landschaften", heißt es an einer Stelle seiner Aufzeichnungen,lassen Sehnsucht und Unbefriedigung in der Seele zurück", und an einer anderen:Landschaftliche Aussichten gewähren ein besonderes Interesse, wenn man Spuren menschlichen Daseins darinnen wahrnimmt." Man sieht, wie weit Schinkel noch von der modernen Stimmungsland­schaft entfernt war, die doch schon unter seinen Schülern in Blechen einen ersten Vertreter auf den Plan stellen sollte. Für Schinkel war die Land­schaft kein Seelengemälde, sondern ein Kultursymbol. Er schuf als Dichter in dem Sinne, wie es Goethe in seinem AufsatzRuisdael als Dichter" andeutet. Der denkende Künstler, der Fichtes und Schellings Vorträge in sich ausgenommen hatte, überwog in ihm das leidenschaftliche dumpfe Durchfühlen seelischer Zustände im sympathetischen Spiegel der Natur. So faßte er, um mit Goethe zu reden,bewunderungswürdig geistreich den Punkt, wo die Produktionskraft mit dem reinen Verstände zu­sammentrifft und dem Beschauer ein Kunstwerk überliefert, welches, dem Auge an sich erfreulich, den inneren Sinn auftuft, das Nachdenken anregt und zuletzt einen Begriff ausspricht, ohne sich darin aufzulösen oder zu ver­kühlen."

Ein wesentliches Mittel,dem Auge an sich erfreulich" zu wirken, war für Schinkel die Beleuchtung. Sie ist ebenso ein Gebilde der Phantasie, genährt von Sehnsucht und Erinnerung, wie der Gegenstand, auf den sie poetisch abgesiimmt ist. Golden und rosig wehende Lüfte spannen sich über die Heiterkeit südlicher Gegenden mit antiken Tempeln und Renaissance­domen ; in dunkleres Gewölk ragt das Filigranwerk gotischer Kathedralen. Morgenglanz umlächelt die friedlichen Gefilde, Waldesschatten, Sonnen­untergang unddes Mondes volle Pracht" umdunkelt, umglüht, umgeistert

128