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Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
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die nördliche Natur. Hierin wandelt Schinkel die Pfade der zeitgenössischen romantischen Dichtung, wie sie Zacharias Werner, Brentano und nament­lich der Berliner Ludwig Tieck eingeschlagen haben.

Auf der Phantastik ihrer Beleuchtung beruht neben der Illusionskraft ihrer räumlichen Gestaltung die starke Stimmung dieser Gemälde. Von den Lichtvisionen seines Zeitgenossen Turner nach der Seite des malerischen Ausdrucks weit entfernt, sind sie, gleich denen des Engländers, romantische Landschaftsdichtungen und decken den romantischen Seelengrund auf, dem auch Schinkels klassische Bauwerke entwachsen sind. Geht in den optisch­perspektivischen Bildern der früheren Jahre, deren Entwürfe zum Teil noch vorhanden sind, die Absicht auf den Effekt, so tritt bei sichtlicher Vorliebe für atmosphärische Ausnahmezustände die Neigung zum Gewollten später zurück. Die Lichtführung, aus dem Hintergrund nach den vorderen Plänen greifend, ist so einfach und übersichtlich wie die räumliche Anordnung in wenigen, klar geschichteten Blickebenen. Beides erinnert an das Theater und so nimmt es nicht wunder, Schinkels Landschaftsmalerei dahin auslaufen zu sehen, woher sie, ihm wahrscheinlich unbewußt, ihren Ursprung genommen hatte, in die Theaterdekoration. Am Schluß dieser Periode bricht Schinkels Bühnenphantasie durch in den genialen Theaterdekorationen zurZauber­flöte", zu E. T. A. Hoffmann'sUndine", zu den Opern von Gluck und Spontini, den Dramen von Schiller, Kleist und Kotzebue.

Seit der Beendigung seiner ersten künstlerischenKavalierstour" hatte Schinkel keine Gelegenheit mehr gehabt, sich weiter in der Welt umzusehen. Nur nach Stettin, von wo er sich 1809 in Susanne Berger die Braut holte, ist er des öfteren gekommen. An den landschaftlichen Studien, die er dort aus dem breiten malerischen Odertale, aus den kleinen pommerschen Städten mitbrachte, sowie aus den Motiven, die ihm gelegentlich die Um­gebung Berlins bot, läßt sich erkennen, daß die Wunder des Südens ihn für den bescheidenen Reiz der Heimat nicht unempfänglich gemacht hatten. Und nun erlebte er 1810, in diesemMerkjahr" für die Geschichte der

» Mackowsky, Alt-Berlin

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