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Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
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deutsch-romantischen Malkunst, wie sich mit dem ersten Erscheinen Caspar David Friedrichs auf der Berliner Kunstausstellung die Landschaftsmalerei in ihren Motiven und in ihrer Gesinnung national einkreiste. Aber weder die schwermütige Lyrik noch die nazarenische Herbheit Friedrichs ließen Schinkel von seiner auf das Heroische gerichteten Bahn abirren; für ihn war Friedrich nur der Exponent einer Zeitstimmung, der auch sein Gefühl unterworfen war. Italien, vor dem Friedrich etwas wie eine Angst empfand, dessen künstlerische Verlockungen er sich mit Entschiedenheit fern hielt, blieb Schinkels Sehnsucht. Aber man merkt doch, wie die Erinnerungen an­fangen, ganz leise zu verklingen und wie neue Eindrücke zeitweise die alten Bilder überwachsen.

Zu diesen neuen und stärksten Eindrücken führte Schinkel eine Reise, die er 1811 an der Seite seiner jungen Frau in die südliche Alpenwelt nach Salzburg und Bad Gastein antrat. Er nahm den Weg, wie vor acht Jahren, zunächst über Dresden, wo er zwar Friedrich selbst, der sich auf einer Studienreise im Harz aufhielt, nicht antraf, wahrscheinlich aber Ar­beiten von ihm sah und die Galerie mit ihrem Reichtum an Holländern (Ruisdael, Wouvermann, Everdingen, Berchem) in jeder müßigen Stunde" auffuchte. Dann ging es weiter über Prag und gleich ins Salzburgische, dessen Reize und Schönheiten Schinkel noch vor dem eigentlichen Klassiker dieser Landschaft, vor Ferdinand Olivier, empfunden hat. Der Aufenthalt dort und in Gastein bot reichste Anregung und Ausbeute. Schinkels Reise- ftizzen sind größtenteils mit spitzestem Bleistift in manchmal kaum mehr wahrnehmbaren Umrissen ausgeführt. Auch dies erinnert an die alte Schule der Vedutenzeichner, an Kniep zum Beispiel, dessenreinliche und charak­teristische" Konture Goethe nicht genug zu rühmen wußte. Abends, auf dem Zimmer, wurden dann diese Umrisse, soweit die Zeit reichte, mit der Feder verstärkt. Nicht selten entstand aber auch gleich ein bis in die Einzel­heiten durchgearbeitetes, kräftig gezeichnetes und farbig getuschtes Blatt großen Ausmaßes und mit reicher Staffage, das mit seiner abgerundeten

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