Druckschrift 
Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen

Komposition weit über die Vedute hinausgewachsen, gleichsam als landr schaftliches Symbol sich darsiellte.

Die Nachwirkungen dieser Reise in die Alpen lassen sich lange in Schinkels landschaftlicher Produktion spüren. Daß sie ihn nicht ausschließlich beherrsch­ten, sondern sich friedlich vertrugen mit dem Stammgut italienischer und norddeutsch-heimischer Eindrücke, mit den Erinnerungen an die holländischen Patriarchen der Landschaftsmalerei, beweist die Reihe dekorativer Wand­bilder, die Schinkel nicht lange darauf, 1813 und 1814, für den Saal des Hauses Brüderstraße 29 ausführte. Teils heroisch, teils idyllisch, stets aber zu einer von allen Zufälligkeiten gereinigten und geläuterten Anschauung ge­reift, sind auch sie Belege für die hohen Forderungen, die Schinkel, eine noch mehr ethisch als romantisch gerichtete Natur, an jedes Kunstwerk stellte: Die Produktionen der schönen Kunst sind die feinsten Dokumente für die inneren Anschauungen eines fein und sittlich schön ausgebildeten Gemüts."

Nach der Familientradition hätte Jean Paul Humbert sich vorerst an Schinkel nur mit der Bitte gewandt, ihm einen geeigneten Maler für die Wände zu empfehlen. Als der Meister dann aber selbst kam, lockte ihn die schöne Aufgabe und er übernahm den Auftrag im ganzen Umfange, so näm­lich, daß er auch für die Möblierung des Raumes Sorge trug. DieWohn- lichkeit des Saales sollte ja unter seiner gesellschaftlichen Bestimmung nicht leiden, und so wurde er denn mehr behaglich als festlich ausgestattet. Natur­gemäß waren die Möbel alle niedrig, um nicht in die Gemälde hineinzuragen. An der großen Längswand stand, dem Fenster zunächst, der Damenschreibtisch, daran schloß sich,fast die ganze Länge derWand bis zu dem vortretenden Mauer­pfeiler beanspruchend, das Sophaetablissement" mit einem runden Tisch und Stühlen davor. Jenseits des Wandträgers wurde der Flügel aufgestellt. Den schmalen Raum zwischen den beiden Vorderfenstern zierte ein Spiegel über einem Konsoltischchen mit Gummibäumen und anderen Blattpflanzen. Am zweiten Fenster stand auf einem Tritt der Nähtisch, die andere Längswand war

»'

131