bleibt dann nur noch die Pfeilerwand zwischen dem Hoffenster und der Tür zu den Räumen des linken Seitenflügels übrig. In dieser sinngemäßen Reihenfolge, die mit dem „Morgen" beginnt und mit der „Nacht" schließt, führen die beiden ersten Biographen Schinkels, Kugler und Waagen, die Bilder an, die sie an Ort und Stelle noch gesehen haben.
Waagen, der mit Schinkel seit dem Jahre 1823 innig befreundet war, berichtet auch über die Teilnahme von Gehilfen, wenigstens bei dem größten Bilde, dem „Morgen". Einer von ihnen ist Karl Gropius, der als Theater- und Dekorationsmaler die Traditionen seines Meisters lange fortgeführt hat, der zweite ist der früh verstorbene Karl Ferdinand Zimmermann, dessen Andenken weniger durch seine Landschaften als durch die gut beobachteten Studien fremden Kriegsvolkes gesichert ist.
Der „Morgen" entspricht am meisten der traditionellen, aber einseitigen Vorstellung, die sich über den Landschafter Schinkel allmählich festgesetzt hak. Das Motiv erinnert im Charakter an die oberitalienischen Seen, am meisten an den Comer See, doch bleibt alles bei einem Ungefähr des Eindrucks; Schinkel selbst hat erst auf seiner zweiten Reise nach Italien 1824 diese Gegenden, namentlich den Lago maggiore, kennen gelernt. Man blickt auf einen See, dessen gebirgiges Ufer links bis zu fernen Schneegipfeln sich auftürmt. Unmittelbar am Rande des Sees liegt eine Stadt malerisch über die Vorberge hingelagert; der Gedanke an Neapel erwacht vor dem in den See hinausgeschobenen Kastell im Mittelgründe. Weiter vorn steigt aus den dunklen mächtigen Baumkronen eines Parkes über Terrassen eine Kuppelkirche mit seitlichen Kolonnaden empor, in der Motive von St. Peter in Rom phantasievoll verwendet sind. Das alles schwimmt wie aufgelöst in zarter rosiger Morgendämmerung. Dunkel und mit schattenrißartiger Scharfe schiebt sich das andere flachere Ufer in den Vordergrund. Links führt der Weg zu einem im Profil aus dem Bergwald tretenden antiken
133