Tempel. Eine mächtige Ulme dient als Repoussoir für die Ferne. Vorn wölbt sich niedriger Baumschlag, aus dem nur hin und wieder ein junger Stamm mit gertenhafter Schlankheit herausspringt. Diese Anordnung der Bildteile mit ihren gegenseitig wirkenden Kräften, die Verteilung von Hell und Dunkel, das Aufgehen realistischer Einzelheiten in einer phantasievollen Gesamtwirkung ist ganz nach dem Rezept der alten Claudeschen Schule vorgenommen. So wirkt das Bild wie ein landschaftliches Märchen, in dem man weder die Mischung der Architekturstile noch die romantische Ritterstaffage störend empfindet. Die malerische Ausführung bleibt etwas stau und unbestimmt, vielleicht durch die Mitwirkung der genannten Gehilfen.
Der „Mittag" versetzt uns in die nordische Tiefebene. Hohe Buchen umstehen in Schattenkühle eine Waldlichtung, durch die ein Bach mit zackigen Ufern schleicht. Strohgedeckte Bauernhäuser, das eine mit einer halbrunden Pergola vor dem Eingang, schieben sich von links in den Mittelgrund hinein, eine Viehherde treibt, aus dem Schatten hervortretend, dem kühlenden Bach zu. Die heiße Luft verdampft zu flockigem Gewölk am blaffen Himmel. Die landschaftliche Gestaltung zeigt, dem Motiv entsprechend, hier die holländische Formel.
Selbständiger und eigenartiger wirkt der heroisch gestimmte „Nachmittag". Über die am Waldesrand erhöht sich hinziehende Fahrstraße neigt sich rechts eine hohe Wettertanne; links geht der Blick zur Ebene hinab, wo aus dem umbuschten Dorf eine gotische Kirche aufragt. Gewitterwind fegt daher, wühlt in den Haaren der Tanne, und mühsam kämpft gegen ihn der Einspänner mit den beiden Reisenden auf der Fahrstraße. Mehr Unheil als Frieden verkündend, sieht der Regenbogen auf der bleischweren Wetterwand, gespenstisch grell zuckt das Licht am Kirchturm und auf dem Buschwerk. Es ist Stille und Sturm in eins. Hier lebt etwas auf von der Landschaftsromantik Caspar David Friedrichs und weist den Weg hinüber zu Karl Friedrich Lessing und den Düsseldorfern.
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