Druckschrift 
Häuser und Menschen im alten Berlin / von Hans Mackowsky
Entstehung
Seite
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In goldner Glorie brennt derAbend" hinter dem Blätterdickicht des Hochwalds, das mit seinem dunklen Astgewühl zwei Drittel der Bildfläche füllt. Auf durchnäßtem Pfad streben zwei Wanderer in die leuchtende Ferne, und ihnen voran bewegt sich ein bespannter zweirädriger Heukarren. Malerisch erreicht Schinkel in diesem Bild vielleicht den Höhepunkt. Die Farbe ist mit breitem Pinsel und mit sicherem Gefühl bewältigt, die Laub- Massen, durch die sich die dunklen Stämme hindurchwinden, sind mit fast impressionistischer Freiheit behandelt. Auch in den Dunkelheiten versinkt die Farbe nie ins tonlose Schwarz.

Kühl und abgehellt steht die Luft auf derAbenddämmerung". Rechts tritt die Kulisse eines steirischen Bauerngehöftes mit Altane und Schindel­dach hervor eine greifbare Erinnerung an die Reise ins Salzkammergut. Auf dem Feldweg, der zum Hause führt, und auf dem Vorplatz, über den sich das Holzgitter einer Pergola dacht, ist lustiges Volk zu Tanz und Musik beisammen. Nicht nur das langgestreckte Hochformat, sondern auch die eigenwillig und kühn in dem schmalen Raum entwickelte Komposition läßt von fern an japanische Rollbilder denken. Leider ist gerade dieses Bild farbig tiefer als irgendeines der Reihe versunken.

Das letzte, dieNacht", bezeugt am meisten die Bühnengerechtigkeit der Schinkelschen Landschaftsphantasie. Über dem weiten Spiegel eines Bergsees, dessen Ufer an die Weinberge des Rheins erinnern, steht im dunklen Silberblau des Himmels der volle Mond. Auf der Spitze einer weit vorgeschobenen Landzunge erhebt sich schwarz und gespensterhaft, von Tannen durchwachsen, eine zerfallene Kirche, in deren hohen gotischen Bogen noch hie und da das zarte Spinngewebe des Maßwerks hängt. Ein Kahn mit junger Mannschaft treibt dicht vor dem glitzernden Brückensteg des Mondspiegels auf dem Wasser dem tief verschütteten Ufer zu. Es ist die Lieblingsstimmung der Romantik, in die uns Schinkel hier einfängt, die Nacht mit ihrer Stille, ihrem Glanz und ihren Geheimnissen, die uns von Tieck, von Novalis und Eichendorff her vertraut ist:

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