Die Berg' im Mondesschimmer Wie in Gedanken stehn.
Und durch verworrene Trümmer Die Quellen klagend gehn.
Aber dieser Stimmungszauber darf uns nicht über die malerische Härte hinwegtäufchen, und daß der Zeichner Schinkel mit seiner linearen Anschauung dem Maler die Hand geführt hat. Von hier aus ist es noch ein weiter Weg bis zu der ganz in Duft und Lichtweben gelösten Tonigkeit Menzelscher Mondnächte. Bei Schinkel ruht die Stimmung mehr in einem dichterisch-musikalischen Gefühl, wie denn überhaupt das Musikalische eins der Grundelemente seiner Begabung gewesen ist und überall in reicher Modulation sich offenbart.
Geht man von derBetrachtung der einzelnen Gemälde auf den Zusammenhang des ganzen Zyklus zurück, so bemerkt man, wie die Folge so verschiedener landschaftlicher Darstellungen und Motive leicht und frei an der Kette des einheitlichen Gedankens von dem Ablauf der Tageszeiten aufgereiht ist. Um eine Goethesche Lieblingsmetapher anzuwenden, so verhalten sich das Land? schaftliche und das Atmosphärische wie Zettel und Einschlag. Heiter und unbewölkt offenbart sich der Morgen, über dem Mittag ballt sich schon leichtes Gewölk, das sich am Nachmittag zu schwerem Gewitter verdichtet; im Brand des Abends schmilzt sich die Luft wieder rein, steht blaß und kühl über der dämmernden Welt, bis dann der Mond die letzten zarten Dunstschleier aus der gereinigten Atmosphäre verscheucht. Vor diesem Schauspiel kosmischen Waltens denkt man unwillkürlich an die von Keller beschriebene Malkapelle seines Landvogts von Greifensee: „so mannigfaltig die Schilderten waren, die sich dem Auge darboten, so leuchtete doch aus allen derselbe kühne und zugleich still harmonische Geist. Der unablässige Wandel, das Aufglimmen und Verlöschen, Widerhallen und Verklingen der innerlich ruhigen Natur schienen nur die wechselnden Akkorde desselben Tonstückes zu sein".
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