Mitteilungen
des
Heimat- und Museumsvereins in Heiligengrabe.
10. Jahrgang 1927. Heft 1/2.
Heimatverein.
Perleberg Vorspruch.
Wir Toten, wir Toten, sind größere Heere,
Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere!
Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten,
Ihr schwingt die Sicheln und schneidet die Saaten,
Und was wir vollendet und was wir begonnen,
Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen, —
Und was wir an gültgen Gesetzen gefunden,
Dran bleibt aller irdische Wandel gebunden.
Aus C. F. Meyer, Chor der Toten.
Sadenbeck.
Das stattliche Dorf Sadenbeck, 6 klm von Pritzwalk entfernt, ist im vergangenen Halbjahr besonders reich an vorgeschichtlichen Funden gewesen. Von der Steinzeit anhebend, führten sie über die Bronzezeit fort bis in das frühe Mittelalter hinein. Und gerade dieser letzte Fund aus der ersten Kolonistenzeit, also ans der Grün dun gszeit des jetzigen Dorfes Sadenbeck, oder wie alte Urkunden es nennen, „Zadenbeke", soll uns hier etwas näher beschäftigen, weil er uns doch recht interessante Einblicke in die erste Siedlungszeit deutscher Rückfluter eröffnet.
Herr Gemeindevorsteher Kracht stieß auf seinem Gehöft beim Abfahren von Sand ans Steinfnndamente und Scherben Aus den Scherben ließ sich ein Gefäß wieder vollständig Herstellen. Es ist umstehend abgebildet (Abb. 1). Andere Scherben zeigten Stempelverzierung und weisen damit auf die frühe Kolonistenzeit. Da ist es recht interessant, daß nach der Ueberlieferung das Gehöft des Herrn Kracht als eines der ältesten des ganzen Dorfes gilt. Schon früher sind Scherbenfnnde, die auf das 12 und 13 Jahrhundert weisen, in Sadenbeck gemacht worden, und zwar auf einer am rechten Ufer der Dömnitzniederung gelegenen Stelle, die der „Burgwall" genannt wird. Es handelt sich nach Bericht der Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg um „hart gebrannte, dunkelgraue, unglasierte, scheibengedrehte Gefäßscherben aus ziemlich feinem Ton, die aus einer deutschen, nicht slavischen Töpferei stammen". Von gleicher Art und der gleichen Zeit zugehörig sind die auf dem Hof des Herrn Kracht gefundenen Stücke. So scheint Sadenbeck sich den ältesten Dörfern der Prignitz ein- znreihen, und dafür spricht auch seine trotzige, alte Wehrkirche (Abb. 2), die mit ihrem festen, breiten Turm, der die ganze Breite des Schiffes einnimmt, Zeugnis davon ablegt, daß die Gotteshäuser der damaligen Zeit zugleich kleine Festungen sein mußten, eine Schutz und Wehr für die, die mit Sckiwert und Pflug in das Land kamen. „Gen Ostland wollen wir fahren". Unser Heft bringt mit freundlicher Genehmigung des Denkmalarchivs der Provinz Brandenburg ein Bild der Kirche und eine Tafel mit der Vorhalle aus Backstein von der Nordseite der Kirche mit ihrem feinen Maßwerk und zierlichem Giebel.