Heft 
(1927) 1/2
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Aus der Museumstätigkeit.

Seit dem Erscheinen des letzten Heftes im November hat trotz der winter­lichen Jahreszeit die Ansgrabungstätigkeit des Museums nicht gänzlich geruht. Zunächst ist die Grabung auf deni Leipziger Berge zu Ende geführt. Das Ge­samtergebnis beläuft sich auf 76 Stellen. Wichtig war noch eine mit Scherben gefüllte Brandgrube, die von den bis dahin beobachteten Begräbnisformen er­heblich abwich. Auf dem Siedlungsland bei Pritzwalk waren Scherben gefunden worden. Bei einer Versuchsgrabung wurden nur einige Steinpackungen und ein 'paar verzierte Scherben iEisenzeitlich) festgestellt. Reiche Funde wurden in Sadenbeck gemacht. Hier war bei Tiefpflügen auf dem Kirchenacker von Herrn Pächter Boger ein Urnenfeld angeschnitten worden. Eine Grabung unseres Museums förderte wichtige Ergebnisse zu Tage. Es handelt sich um einen bronze- zeitlichen Friedhof mit mächtigen Brandstellen, die neben und über den in er­heblicher Tiefe beigesetzten Urnen angelegt waren. Die Ausgrabungen sollen nach beendeter Ernte fortgesetzt werden. Nicht minder interessant waren die Funde, die Herr Gemeindevorsteher Kracht auf seinem Hof bei Sandarbeiten machte. Er stieß hier auf umfangreiches Mauerwerk, Lehmschichten mit Brand­spuren und Scherben. Bei der Untersuchung durch unser Museum konnte noch ein Herd festgestellt werden, neben dem sich eine kleine Opfergrube mit feinen Knöchelchen fand. Die Scherben, die zum Teil Stempelverzierung haben, deuten aus frühe Kolonistenzeit. Die kleine Opfergrube deutet an, wie Christliches und Heidnisches in diesen Zeiten noch ineinandergriff. Endlich wurde in Sadenbeck noch ein wichtiger steinzeitlicher Fund gemacht. Herr Krüper stieß beim Pflügen auf eine Steinpackung, die er wegräumen wollte. Dabei fand er eine schöne Feuersteinlanze, ein dur'chlochtes Steinbeil und schnurkeramische Scherben eines becherähnlichen Gefäßes. Durch Herrn Letirer Köhn gelangte dieser für die Vorgeschichte so wichtige Fund in den Besitz unseres Museums. Eine Grabung an der Fundstelle ist für den Herbst in Aussicht genommen. Durch Frau von Barsewisch-Retzin wurde unser Museum gebeten, einen Abhang, auf den beim Kiesabfahren schon 11 Urnen restlos zerstört waren, zu untersuchen. Es gelang noch 5 Urnen zu bergen unter genauer Beobachtung aller Einzelheiten ihrer Beisetzung. Wichtig war dabei einmal, daß eine altarähnliche Anlage mit Opfer und Sonnenstein aufgedeckt werden konnte, zum anderen, daß ein Bronze­messer, das als Beigabe gefunden wurde, die Anlage in eine frühe Zeit, Aus­gang der dritten, Beginn der vierten Periode der Bronzezeit, also etwa 1406 bis 1200 v. Ehr. setzte. Auf Brünkendorfer Feldmark war Herr Scheider Grotz-Woltersdorf gleichfalls beim Tiefpflügen auf Steinpackungen mit Urnen gestoßen. Vom Museumsverein wurde noch eine große Steinpackung mit 8 und eine kleine mit einer Stelle freigelegt. Die Formen der einfachen und unver- zierten Gefäße sowie eine Beigabe ordnen die Funde in die frühe Eisenzeit ein. Auch hier soll nach der Ernte weitergegraben werden. Endlich wurde von unserem Museum in den letzten Märztagen auch noch die große Grabung des wendischen Skelettfriedhofes am Untersee in Kyritz vorgenommen, von dem Herr Dr. Matthes einen vorläufigen Bericht in diesem Hefte gibt. Das wundervolle Eisenschwert und der Schlittschuh aus Knochen sind im Museum schon ausge­stellt und werden die Bewunderurg all unserer Besucher erregen.

Eine große Bereicherung hat unser Museum durch Ueberweisung der märkisch-geologischen Sammlung von dem geologischen Institut der Universität erfahren. Unsere Leser finden die Erläuterungen zu dieser schönen Sammlung in diesem Heft und werden so mühelos und in anschaulichster Weise in dieses reiche Gebiet eingeführt. Die Sammlung ist auch schon geschlossen aufgestellt und bietet für alle Schulen einen reichen Anschauungsstoff. Von der einzig­artigen Versteinerung, für die wir die Sammlung im Austausch erhielten, wurde uns ein Abguß überlassen, der gleichfalls ausgelegt ist.

Auch an Einzelgeschenken für unser Museum hat es in der verflossenen Zeit nicht gefehlt. Wir erhielten: eine Steinkugel von Herrn Lehrer Schmidt- Techow, 2 Spinnwirtel und Scherben von Herrn Gärtner Wendt-Vehlow