Heft 
(1897) 07
Seite
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Lus Zeit und Weben.

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eiulaufenden, über Erivarteu großen Schulschiffe in der Frühe des Morgens hatte sie in ihrem mutigen Vorsatz, nicht zu weichen und zu wanken, beträchtlich erschüttert. Das sind ja gar nicht so kleine Schiffe, diese Schul­schiffe!^ hatte man staunend und erschreckt gerufen. Sb sie wohl geglaubt hatten, wie ein Witzblatt dazu bemerkie, daß die Schulschiffe eben Schiffe seien, die noch in die Schule gehen?! Die stattliche Größe der Schulschiffe stellte das moralische Gleichgewicht ihrer verletzten Eitelkeit wieder her und söhnte sie einigermaßen mit dem Deutschen Kaiser aus, der unverzeihlicherweise ihre nationale Würde durch Entsendung von Schulschiffen behufs Erzwingung seiner Forderungenmißachtet" habe.

Mit der Uhr in der Hand verfolgte inan von Bord aus jede Bewegung an Land. Die Aussicht, daß es doch noch zum Kampf kommen würde, wuchs von Minute zu Minute, in gleichem Maße die Begeisterung. Die Leute

kann doch noch losgehen!" in diesem Gedanken und Wunsch suchte mau au Bord seinen letzten Hoffnungsanker. Da ein Boot mit weißer Flagge wird sichtbar der Parlamentär wird über das Wie und Was Auskunft bringen. Der Kommandant geleitet denselben 'in seine Kajüte, wo General Destouches in Begleitung seines Ad­jutanteil die Bereiterklärung des Präsidenten zur Erfüllung des Ultimatums unserm Kommandanten überreicht. Das hochmütige Selbstbewußtsein des schwarzen Präsidenten und die lächerliche Selbstüberhebung der haitianischen Minister hatten nicht ohne eine sich selbst salvierende Begründung das Schriftstück hergegeben. Mau habe ein Gemetzel, dem jeder noch anwesende Weiße zum Opfer gefallen wäre, verhüten wollen! Der .Kommandant bedauerte diese Be­gründung und forderte zur Garantie für eine befriedigende Erledigung die beiden haitianischen KriegsschiffeCrate ä Pierrot" undCapris la Mort", um mit den flacher

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Nach einer Momentaufnahme des Verfassers

Graf und Gräfin Schwerin mit Marine-Offizieren vor ihrer Billa in Port-au-Prince.

stehen aus ihren Klarschisfstationen klar, der Zeiger der Uhr will gar nicht vorwärts rücken, noch sind's 20 Minuten; jetzt 15, 10, 8, 5 Minuten: da es war 12 Uhr 55 Mi­nuten steigt an der Flaggenstange des Palais National eine Parlamentärflagge ein Betttuch ist's in Ermang­lung einer Flagge gewesen hoch über Teck schallt das Kommando:Klar bei Backbordanker! Aus der Kette! Boje über Bord! Fallen Anker!" Es war, als wollte der Anker nicht in die Tiefe rauschen, zögernd schien der Befehl vollsührt zu werden, niemand wollte es glauben, daß unserKlar zum Gefecht" nur eine interessante Epi­sode mit ernsten Vorbereitungen werden sollte.Das haben uns wieder die Diplomaten verbruddelt!" so suchte man unter der Besatzung seiner Wut über den fehl- geschlagenen Waffengang Lust zu machen. Und es mar auch nicht unrichtig. Tenn.nur unter dem Druck des diplomatischen Corps hatte der Präsident sich so schnell zu dem entschlossen, was er doch früher oder später hätte thun müssen.Aber die Sache ist ja noch nicht zu Ende, es

gehenden Schiffen durch größere Annäherung an die Stadt um so nachhaltiger auf die Erfüllung seiner Forderungen drücken, sowie bei einem etwaigeil Gemetzel schneller eiu- greifen zu können. Um 4 Uhr sollte das Gold an Bord sein oder die haitianischen Schiffe die Flagge streichen, woraus dieselben von unfern Leuten bis zur völligen Er­ledigung der Sache besetzt und bedient werden sollten.

Alan war davon überzeugt, daß sie nur die Sache Hinschleppen wollten, denn man wnßte, daß das Geld bereits aus der Bank deponiert war. Kurz vor 4 Uhr ging Seiner Majestät SchiffCharlotte" ankeranf und legte sich mit ihrer Breitseite den Schiffen in einer Entfernung von 500 Bietern gefechtsklar gegenüber. Ein paar Minuten vor 4 Uhr erschien der Parlamentär mit den geforderten 20 000 Dollars Gold und einem devoten Entschuldigungs­schreiben, unsre Aufgabe war beendet.

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