Die Leihbibliotheken und die Rrankheitsbacterien.
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Hier verbietet sich zunächst das Experiment am Menschen und es muß dasür das Thierexperimeut zur Controle eintreten, weiter ist bei den viel compli- cirteren inneren Krankheitsprocessen der Nachweis, daß gerade der und der Complex von Krankheitserscheinungen durch diese bestimmte Sorte von Bac- terien hervorgebracht werde, viel schwieriger und oft irreführend, endlich sind die einzeln lebenden Stäbchenbaeterien viel schwerer zu finden und von einer Reihe andrer, die wir durch Luft und Wasser immer in uns eindringen lassen und die ungefährlich sind und auch bei Gesunden Vorkommen, schwer, manchmal gar nicht zu unterscheiden. Hier ist eine so schwere Geduldsprobe für den Forscher gegeben, so große Vorsicht geboten, daß man wohl sich den Beifall erklären kann, den Kochs schöne Methode sich errungen hat, aber auch die heftigen Diskussionen, die heute noch über den Cholerapilz geführt werden. Es fragt sich, kommen die Keime mit dem Trinkwasser in den Darm oder sind sie in der Luft suspendirt und werden eingeathmet: In Betreff der Cholera werden jetzt noch beide Meinungen von verschiedenen Forschern behauptet, von Koch das erstere, von Münchner Forschern das andere. In das Blut gelangen die Bacterien dann eingeschlossen in weiße Blutkörperchen und finden dann hier alle Bedingungen zu ihrer enormen Vermehrung, durch welche die Organe des betreffenden Individuums zerstört werden. Wie man nun ganz exact durch Experimente feststellen kann, daß organische Substanzen, die sich selbst überlassen, leicht in Zersetzung übergehen unter gleichzeitigem Auftreten von Bacterien, daß dieselbe von Pilzbildnng freibleiben, wenn sie einer Temperatur ausgesetzt werden, welche die etwa in ihnen vorhandenen Pilzsporen tödtet oder wenn ihnen nur solche Luft zugeführt wird, aus welcher die organischen Keime entfernt worden (Filtration durch desinfieirte Banmwvllenpfröpfe rc.), so ist durch die Praxis erwiesen, daß seit Einführung des aseptischen Verbandes, welcher die Luft streng von den Wunden abhält, nachdem vorher etwa vorhandene Bacterien durch Carbolsäurespü- lung zerstört sind, daß seit diesem aseptischen Verbände die Wundkrankhciten wie Rothlauf, Hospitalbrand, bei denen man Bacterien im Blute fand, nicht mehr austreten und daß die Wunden ohne Eitrung heilen — also ein ganz sichrer Beweis, daß Bacterien Träger der Ansteckung sind, hier allerdings durch Vermittlung der Haut, nicht der Lunge und des Darmes. Welch' enormen Fortschritt der Chirurgie diese Entdeckung bedeutet, ist ja männiglich bekannt. Früher starb jeder zweite Mann, der amputirt wurde, heute schneidet man fast ohne Gefahr den Leib auf, um Geschwülste zu entfernen rc. Heute hängt der glückliche Ausgang einer Operation fast nur noch von der Methode II. 2.
und Technik des Operateurs ab, der operative Eingriff an und für sich ist ungefährlich, weil man durch den antiseptischen Verband die durch niedre Organismen, welche in der Luft suspendirt sind, hervorgebrachten schlimmen Wundkrankheiten wie schwere Eitrung, Rothlauf, Hospitalbrand, Zersetzung des Blutes durch faulige Stoffe, ich sage alle diese schlimmen Folgekrankheiten von Operationen beseitigen und verhüten, beherrschen kann. Diese Erfindung. welche also ein directes Ergebniß der Bac- terienforschung ist, diese Erfindung des antiseptischen Verbandes gehört gerade wie die Erfindung des Compasses, der Dampfmaschine zu den Heldenthaten des menschlichen Geistes.
Eben so sicher ist bei Milzbrand und Milz- brandcarbunkeln constatirt, daß durch Bacterien die Ansteckung stattfindet. Znr Ueberimpfung der Krankheit reicht schon der kleinste Blutstropfen hin. In wenig Stunden findet man enorme Massen der Bacterien im Blute, die wahrscheinlich dadurch tödtlich wirken, daß sie den rothen Blutkörperchen den Sauerstoff entziehen und so Kohlensäureüberladung im Blute Hervorbringen, Athemnoth, Krämpfe, Sinken der Temperatur, endlich Erstickung.
Besonders bemerkenswert!) für unsere Betrachtungen ist nun, daß bei dem Milzbrand, der immer durch Berührung mit milzbrandkranken Thieren oder Theilen solcher entsteht, die Häute dieser Thiere im getrockneten Zustande Monate lang die An- stecknngsfähigkeit behalten. In Leipzig, wo ein bedeutender Handel mit Fellen ist, kann man öfter solche Fälle beobachten. Diese Dauerbarkeit des Anstecknngsstosfes, welche der Fähigkeit dieser Keime entspricht, nach langer Zeit unter günstigen Umständen sich zu entwickeln, ist ja auch constatirt bei der Lymphe der Kuhpocke. Diese kann man eingetrocknet ein Jahr und länger ausheben, sie steckt noch an, wenn man sie einimpft. Bei dem exanthema- tischen Typhus (Hungertyphus) hat man beobachtet, daß in Zimmern, worin Typhöse gelegen haben und welche dann bis 7 Monate leer gestanden hatten, die Nächsten, welche darin wohnten, von derselben Krankheit befallen wurden. Aehnliches hat man bei der Cholera beobachtet, wenn die Desertionen schon lange in der Wäsche vertrocknet waren.
Panum weiß zu berichten, daß das Masern- und Scharlachcontagium in Kleidern weiter geschleppt wurden von Leuten, die selbst nicht angesteckt wurden, einmal selbst nach 4 Meilen weiter Reise in offenem Boote bei stürmischem und regnerischem Wetter.
Wie ein Tropfen Rosenöl noch Jahre lang in einem Zimmer bemerkbar ist, so können wenige dieser Keime von Bacterien nach langer Zeit und weit von ihrem Ursprungsorte entfernt sich entwickeln und Krankheit erzeugen.
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